Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz hat den Bericht „Wichtigste Trends und Impulse für Veränderungen bei IKT und Arbeitsorten“ veröffentlicht.

SW – 05/2017

Der im Mai von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) veröffentlichte Bericht stellt die Ergebnisse des ersten Arbeitspakets des Projekts „Vorausschau auf neue und aufkommende Risiken im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit im Zusammenhang mit Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und dem Arbeitsort bis 2025“ vor. 

Das Projekt

Das Projekt besteht aus drei Arbeitspaketen. Ziel des ersten Arbeitspakets ist es, die wichtigsten Trends und Treiber für den Wandel der IKT und des Arbeitsplatzes zu identifizieren. Mit dem zweiten Arbeitspaket sollen die im ersten Schritt identifizierten Trends genutzt werden, um Szenarien für die Zukunft zu entwickeln und zu testen. Diese sollen es Entscheidungsträgern ermöglichen, künftige Auswirkungen auf die Sicherheit und den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu berücksichtigen. Ziel des letzten Arbeitspakets ist es dann, die entwickelten Szenarien an Politiker und andere interessierte Kreise zu verbreiten. 

Die Umsetzung des ersten Arbeitspakets erfolgte in drei Phasen. Die erste Phase bestand in einer Überprüfung vorhandener Informationen zur Ermittlung von Trends und Treibern des Wandels bis 2025 und, sofern möglich, für weitere fünf Jahre. Die zweite Phase betraf die Konsolidierung der Liste der Trends und Treiber des Wandels unter Nutzung des vorhandenen Wissen von Experten. Die letzte Phase galt der Identifizierung der wichtigsten Trends und Impulse.  

Erste Ergebnisse

Aus dem Bericht ergeben sich bereits einige vorläufige Hinweise auf potenzielle Auswirkungen von Trends und Treiber für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, die in der zweiten Arbeitsphase in Szenarien vertieft erörtert werden. Diese Faktoren – vom demografischen Wandel bis hin zu technologischen Neuerungen – werden dem Bericht folgend ausschlaggebend für die Herausforderungen bei Sicherheit und Gesundheitsschutz sein, denen sich Europa 2025 im Zuge der Digitalisierung der Arbeitswelt stellen muss. 

Als Vorteile werden zum Beispiel die Beseitigung von Menschen aus gefährlichen Umgebungen und die Bereitstellung neuer Möglichkeiten für die Vermittlung einer guten Arbeitsschutzpraxis genannt. Risiken werden vor allem in psychosozialen Faktoren gesehen, zum Beispiel in der emotionalen und kognitiven Belastung im Zusammenhang mit der 24/7-Wirtschaft, in der permanenten Konnektivität, im Verlust traditioneller Arbeitshierarchien und sozialer Interaktion am Arbeitsplatz. Unter dem Stichwort Ergonomie wurde auf die Zunahme der Nutzung mobiler Geräte und neue Mensch-Maschine-Schnittstellen hingewiesen. Weitere Aspekte waren arbeitsbedingter Stress, Mobbing und Diskriminierung sowie Befürchtungen dahingehend, ob die neuen Arten von Beschäftigung Arbeitnehmern einen ausreichenden Lohn zur Bestreitung ihrer Lebenshaltungskosten ermöglichen.  

Eine große Herausforderung für die Anwendung von Arbeits- und Sozialgesetzen wird auch im Wandel der Formen der Beschäftigungsverhältnisse und in flexibleren Arbeitsbedingungen gesehen. Da die Arbeit praktisch überall und zu jeder Zeit geleistet werden kann, wird erwartet, dass sich die traditionellen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen grundlegend verändern. Die Art der Arbeit werde sich in ganz Europa erheblich verändern und die meisten Menschen in irgendeiner Weise beeinflussen. Es bestehe Potenzial, neue Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen, einschließlich der Förderung der Produktivität und des Wachstums in Europa, jedoch verbunden mit dem Risiko der Ungleichheit von Vor- und Nachteilen für verschiedene Arbeitnehmer. 

Prioritäten für den Arbeitsschutz von morgen

Die gesetzliche Unfallversicherung beschäftigt sich auf nationaler Ebene bereits seit geraumer Zeit mit dem Thema der Digitalisierung der Arbeitswelt, die sowohl Chancen als auch Risiken für Arbeitnehmer bergen, sowie den sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Prävention und hat hierzu unter dem Titel "Neue Formen der Arbeit - Neue Formen der Prävention - Arbeit 4.0: Chancen und Herausforderungen" eine Broschüre erstellt.  

Die Früherkennung von Trends und die Betrachtung möglicher Konsequenzen für die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz spielen eine wichtige Rolle. Dem wird z.B. durch das DGUV Risikoobservatorium im Institut für Arbeitsschutz (IFA) Rechnung getragen. In einer groß angelegten Befragung hat das IFA versucht herauszufinden, welche Entwicklungen in der Arbeitswelt für die Prävention zukünftig eine besondere Rolle spielen und kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach sind Arbeitsverdichtung, demografischer Wandel und Digitalisierung die dringlichsten Themen, wenn es um den Schutz von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit geht. Die Ergebnisse sind in der Broschüre „Der Mensch im Mittelpunkt: Prioritäten für den Arbeitsschutz von morgen“ zusammengefasst.  

Zur Publikation des Berichts der EU-OSHA geht es hier

 

Die Broschüre zu den neuen Formen der Arbeit und den Konsequenzen für die Prävention finden Sie hier

 

Die Ergebnisse der Befragung des IFA finden Sie hier.