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Frühzeitige Erkennung arbeitsbedingter Erkrankungen

Alarmkonzepte und Beobachtungssysteme können helfen.

SW – 09/2017

Die Europäische Beobachtungsstelle für Risiken (European Risk Observatory, ERO) der EU-OSHA hat einen Bericht über „Methodiken zur Ermittlung arbeitsbedingter Erkrankungen: Überblick über Sentinel- und Alarmkonzepte“ veröffentlicht. Die ERO hat die Aufgabe, neue und aufkommende Risiken im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu erkennen, um die frühzeitige Ergreifung wirksamer Präventionsmaßnahmen zu verbessern. 

 

Der Bericht gibt einen Überblick über die bestehenden Sentinel- und Alarm-Systeme sowie weiterer Beobachtungssysteme, die für die Ermittlung aufkommender arbeitsbedingter Erkrankungen genutzt werden können. Auch Schwachpunkte werden aufgezeigt, z.B. fehlende Daten aus der Ermittlung der Exposition am Arbeitsplatz, die unzureichende Erfassung bestimmter Gruppen von Arbeitskräften und Erkrankungen wie psychischer Erkrankungen und die unzureichende Verbindung zur betrieblichen Prävention. 

 

Alarm- und Sentinel-Systeme ermöglichen eine frühzeitige Erkennung arbeitsbedingter Erkrankungen. Sie können insofern offizielle Zahlen zu Berufskrankheiten ergänzen und eine faktenbasierte Prävention unterstützen. 

Risikoobservatorium der DGUV

Auch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat ein sogenanntes „Risikoobservatorium“ beim Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) eingerichtet, um neue Risiken frühzeitig zu erkennen. 

 

Das Risikoobservatorium basiert auf einer alle fünf Jahre stattfindenden Befragung von 400 Aufsichtspersonen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. Diese bewerten 93 Entwicklungen auf einer Skala von 1 bis 7 und schätzen die Relevanz der Entwicklungen für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten ein. 

 

Die letzte Erhebung im Oktober 2016 kam zu dem Ergebnis, dass Arbeitsverdichtung, demographischer Wandel und Digitalisierung die dringlichsten Themen sind, wenn es um den Arbeitsschutz der Zukunft geht (siehe hierzu auch Meldung: Trends und Impulse für Veränderungen bei IKT und Arbeitsorten). Ferner wurde festgestellt, dass auch nicht arbeitsbezogene Gesundheitsthemen, wie falsche Ernährung und bewegungsarmes Freizeitverhalten, die Arbeitsfähigkeit der Erwerbstätigen erheblich beeinflussen und den Arbeitsschutz künftig herausfordern. 

Hintergrund

Das Risikoobservatorium der DGUV ist ein Instrument zur frühzeitigen Ermittlung von Präventionsschwerpunkten. Die Liste der Entwicklungen hat das IFA im Rahmen einer internationalen Literaturrecherche ermittelt. Die befragten Aufsichtspersonen konnten zudem besondere Risiken benennen, die sich aus den Entwicklungen ergeben und Vorschläge zur Prävention machen. Um sicherzugehen, dass die Einschätzung der Aufsichtspersonen nicht signifikant von der Einschätzung betrieblicher Arbeitsschutzfachleute abweicht, wurde eine Evaluation durchgeführt, bei der 700 Fachkräfte für Arbeitssicherheit befragt wurden. Bei dieser Evaluation wurde die Einschätzung der Aufsichtspersonen von drei Viertel der Befragten bestätigten, ein Viertel kam zu geringen, nicht signifikanten Unterschieden in der Risikoeinschätzung. 

 

Zur Mitteilung der EU-OSHA über den veröffentlichten Bericht.