©the rock - stock.adobe.com

Lungenpest im Digital-Zeitalter

Die WHO ist über Fälle von Lungenpest in Ballungsgebieten von Madagaskar besorgt. Gegenwärtig besteht nur eine geringe Gefahr internationaler Ausbreitung.

GD/AD – 10/2017

Einmal mehr grassiert eine tödliche Lungenpest-Epidemie im völlig verarmten ostafrikanischen Inselstaat Madagaskar. Wie das Wissenschaftsmagazin SCINEX meldet, waren bis Mitte Oktober bereits über 400 Menschen an der Seuche erkrankt und über 48 davon verstorben. In Abweichung von bisherigen Ausbrüchen dieser Seuche auf Madagaskar zeigen sich diesmal, einige auffällige Veränderungen. Stand traditionell die „Beulenpest“ in entlegenen ländlichen Gegenden im Vordergrund, so gäbe es nunmehr überwiegend Fälle der als schneller ansteckend geltenden Lungenpest in Ballungszentren. Diese Form der Pest gilt als vergleichsweise seltener, zeigt jedoch häufig einen sehr aggressiven Verlauf mit einer hohen Sterblichkeit. 

Die infolge Geldmangels begrenzten Reaktionsmöglichkeiten der örtlichen Behörden werden durch die Weltgesundheits-Organisation (WHO) unterstützt. Als erste Maßnahme hat die WHO angekündigt, rund 1,5 Millionen US-Dollar als Soforthilfe freizugeben. Zusätzlich wurden mehr als eine Million Dosen Antibiotika auf die Insel geschickt. Die Pest, ausgelöst durch das Bakterium „Yersinia pestis“, wird durch bestimmte Flöhe von Nagetieren auf Menschen übertragen. Anders als bei der Beulenpest kann die Lungenpest auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Heutzutage wird der einst im Mittelalter Millionen dahinraffende „Schwarze Tod“ mit Antibiotika behandelt und bei frühzeitiger Erkennung bestehen gute Heilungschancen. Von erheblicher Bedeutung sind die allgemeinen örtlichen und insbesondere hygienischen Verhältnisse, die enge Kontakte zwischen infizierten Nager-Populationen und Menschen erheblich begünstigen können.  

Die WHO ist entsprechend besorgt über die ersten Fälle der Lungenpest in den dichtbesiedelten und teilweise hygienisch problematischen Ballungsgebieten von Madagaskar. Gegenwärtig bestünde nur eine relativ geringe Gefahr einer internationalen Ausbreitung. Im Gegensatz zu den Ausbrüchen hämorrhagischen Fiebers (speziell in Westafrika) vor etlichen Monaten, denen viele Tausende zum Opfer fielen, ist die Seuchengefahr im Fall Madagaskars wohl eher gering, heißt es. Gerade die unter dem Begriff „Ebola“ seinerzeit erkennbare Unruhe in den europäischen Wohlstandszonen hatte dafür gesorgt, dass arme Länder, zumindest vorübergehend, mit einer rudimentären medizinischen Infrastruktur ausgestattet worden sind. 

Sobald der unmittelbare Druck der Übertragungsmöglichkeit nach Europa und Nordamerika jedoch nachgelassen hatte, entrückten diese Grenzgebiete medizinischer Versorgungsmängel wieder aus unserem Gesichtskreis. Kritiker verweisen darauf, dass die diametral entgegengesetzten Versorgungschancen zwischen Madagaskar und Westafrika einerseits und Europa oder Nordamerika andererseits Anlass böten, über Grundzüge einer infrastrukturell effektiven Entwicklungsarbeit vertieft und nicht nur dann nachzudenken, wenn – wie im Falle Ebola – die Einschleppung in unseren Sozialraum drohe.