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Europäischer Index für die Würde älterer Menschen

European Elderly Dignity Index

VS – 11/2022

Vor dem Hintergrund der Alterung der europäischen Gesellschaften hat die Universität von Barcelona in einem von der spanischen Stiftung Fundación Mutalidad dela Abogacía geförderten Projekt den europäischen Index für die Würde älterer Menschen entwickelt.

Dabei werden zwei zentrale Aspekte für ein menschwürdiges Leben Älterer hervorgehoben: zum einen die Lebensqualität und die Würde älterer Menschen und zum anderen die für das Wohlbefinden der älteren Menschen erforderlichen Infrastrukturen und Dienstleistungen. Diese Aspekte werden anhand der Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen in einem Index bewertet.

Index auf Basis der Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

Alle europäischen Länder stehen vor der Herausforderung, dass der Anteil der älteren Menschen steigt und deren Lebenserwartung zunimmt. Dies hat vielfältige Implikationen, so beispielsweise für die Finanzierung der Sozialpolitik aber auch für die Ausrichtung der Sozialpolitik für Ältere. Letzterem Aspekt widmet sich der europäische Index für die Würde älterer Menschen.

Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen

Grundlage des Index sind dabei die Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Die darin vereinbarten 17 Ziele (sustainable development goals; kurz: SDG) werden von allen europäischen Staaten mitgetragen. Im Jahr 2020 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Dekade des gesunden Alterns ausgerufen und hierzu 11 der 17 SDGs herangezogen.

Im Index werden diese für Ältere relevanten SDGs verwendet und in den folgenden acht Themenfeldern zusammengefasst:


  • keine Armut;
  • kein Hunger;
  • gesundes Leben und Wohlbefinden;
  • Bildung;
  • Gleichstellung der Geschlechter;
  • menschenwürdige Arbeit und nachhaltiges Wirtschaftswachstum
  • Industrie, Innovation und Infrastruktur, Verringerung der Ungleichheit, nachhaltige Städte und Siedlungen;
  • Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen.

Keine Doppelung – Fokus liegt auf Mitte der Gesellschaft ausgerichtet

Die Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen sind eine Weiterentwicklung der Millenniumserklärung der Vereinten Nationen. Darin verpflichteten sich die Regierungen die Armut in der Welt bis 2015 zu halbieren. Wesentliche Neuerung war, dass die Ziele sich nicht mehr ausschließlich an die Schwächsten in der Welt richten, sondern explizit auch die Industriestaaten mit einbeziehen. Auch wurden die betrachteten Zielbereiche deutlich erweitert. Der Fokus liegt jedoch weiterhin auf der Teilhabe der Schwächsten. Fortschritte bei der Zielerreichung werden dabei sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene anhand umfangreicher Indikatoren evaluiert (siehe hierzu auch Eurostat).

Der hier vorgestellte europäische Index für die Würde älterer Menschen ist hierbei nicht als eine Doppelung bestehender Evaluierungssysteme zu verstehen. Auch wenn die gleichen Ziele zugrunde liegen, weicht seine Ausrichtung explizit von der der Vereinten Nationen ab. Der Fokus liegt hier auf der Mitte der Gesellschaft und nicht wie in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen auf der Teilhabe der Schwächsten.

Bedeutung für die Sozialversicherung

Die Sozialversicherungssysteme in den europäischen Ländern unterscheiden sich sowohl in ihrer Organisationsstruktur als auch in ihrer Ausrichtung. Ältere Menschen sind keine homogene Gruppe. Sie haben unterschiedliche Bedürfnisse, Möglichkeiten und Probleme. Dies gilt für das jeweilige Land und umso mehr für Europa insgesamt. Sicher ist auch die Aussagekraft eines Index begrenzt, der anhand weniger Indikatoren ein breites Feld von Bereichen betrachtet. Aber trotz all dieser Einschränkungen liefert der vorgestellte europäische Index für die Würde älterer Menschen wichtige Hinweise für möglichen Handlungsbedarf.

Gerade vergleichende Analysen können Stärken und Schwächen einzelner Sozialsysteme offenlegen. Dabei ist die Frage nach angemessen Leistungen, für die Sozialversicherung von besonderer Relevanz. Denn dies betrifft die Kernaufgabe der Sozialversicherungssysteme. Die gesetzliche Rentenversicherung trägt zwar erheblich zur Vermeidung von Altersarmut bei. Ihre Aufgabe ist jedoch die Lebensstandardsicherung im Alter. Dabei hilft der bereichsübergreifende Ansatz des Indexes, das Zusammenspiel der verschiedenen nationalen Systeme und Politiken besser zu verstehen.