Kompe­tenzen für ein wett­be­werbs­fä­higes Europa.

DB – 03/2025

Am 5. und 6. März trafen sich nun bereits zum dritten Mal Expertinnen und Experten aus verschiedenen Branchen auf dem European Social Forum (ESF), um eine der größten Herausforderungen Europas anzugehen: die Menschen mit den richtigen Qualifikationen für die Arbeitsplätze von heute und morgen auszustatten und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken. Von aufschlussreichen Keynotes bis hin zu dynamischen Debatten bereitete das Forum den Boden für Maßnahmen in den Bereichen Qualifikation und Fähigkeiten, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit.

Arbeits­markt im Wandel: Welche Fähig­keiten jetzt gefragt sind

In einer sich schnell wandelnden Arbeitswelt, getrieben vom technologischen Fortschritt, ist es essenziell, Arbeitgebende sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer frühzeitig auf die kommenden Veränderungen vorzubereiten. Der Generaldirektor der Generaldirektion „Beschäftigung, Soziales, Integration“ (EMPL), Mario Nava, betonte, dass bislang 50 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keine grundlegenden digitalen Fähigkeiten haben. Dies führe dann auch unweigerlich zu einem Fachkräftemangel in den Berufen der Zukunft. Darüber hinaus verliere der Arbeitsmarkt jedes Jahr eine Million Erwerbstätige, die in den Ruhestand gehen, was gleichzeitig dazu führt, dass auch eine Million an Sozialversicherungsbeiträgen entfallen. Die Europäische Kommission werde sich deswegen in ihrer Union of Skills verstärkt mit der Umschulung und Weiterbildung der Arbeitskräfte befassen, um den Arbeitskräftemangel zu beheben und sicherzustellen, dass alle Arbeitnehmer über die erforderliche Bildung und Ausbildung verfügen.


Doch welche Fähigkeiten gelten derzeit als essenziell und wie viele gibt es in etwa? Eine Antwort darauf gab Ryan Roslansky, CEO von LinkedIn. Seine Firma klassifiziert beispielsweise 41.000 verschiedene Hard- und Softskills. Die aktuell gefragtesten darunter sind unter anderem Bild- und Videogenerierung, Automatisiertes Feature Engineering sowie Dynamische KI, Intelligente Agenten oder Large Language Models.

Union of Skills

Konsens herrschte, dass sich zukünftig die Anforderungen an alle Berufe stark verändern und neue Fähigkeiten vorausgesetzt werden. Die Beteiligten stimmten dabei über ein, dass ein Forum wie das ESF der richtige Ort ist, um sich über diese Herausforderung auszutauschen. Denn hier werden die Veränderungen antizipiert und Lösungsvorschläge diskutiert.


Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch die „Union of Skills“ vorgestellt. Darin wird betont, dass neben nötigen sozialen Investitionen in frühkindliche, schulische und universitäre Ausbildung auch die Berufsschulen und Weiterbildungseinrichtungen ein Eckpfeiler des Changemanagements sind. Es gelte in allen Lebensphasen, in die Qualifikation der Menschen zu investieren. Die hier eingeschriebenen Aus- und Weiterbildenden sind oftmals älter und befinden sich auf dem zweiten Bildungsweg, kommen dafür aber direkt aus dem Arbeitsmarkt und wissen, welche Fähigkeiten ihnen aktuell fehlen. Dies verursache zwar Kosten, gewährleiste aber, dass nicht nur die jüngere Generation auf die nötigen Fähigkeiten vorbereitet werden würde, sondern alle Erwerbstätigen (insbesondere auch ältere).


Neben diesen grundsätzlichen Investitionen in Bildung und Weiterbildung gelte es zudem, die Akzeptanz von in Drittstaaten oder anderen Mitgliedstaaten erworbenen Qualifikationen in den Mitgliedstaaten universell und ohne bürokratische Hürden anzuerkennen.

Weichen­stel­lungen für Europas Zukunft

Es gab aber noch vielfältige weitere Bereiche, die lebhaft diskutiert wurden. Unter anderem der zweite Aktionsplan zur Europäischen Säule sozialer Rechte mit dem Fokus auf den Übergang von Arbeitsplätzen in der herkömmlichen Industrie in die „grüne“ Industrie. Dies ist insbesondere herausfordernd, da in beiden Industriezweigen ein zum Teil deutlicher Lohniveauunterschied existiert. Des Weiteren wurden die geografischen Mobilitätshürden diskutiert und wie die verschiedenen EU-Initiativen (EURES, EESSi, ESSPASS, europass) helfen können, diese zu überkommen.


Abschließend wurden die verschiedenen Möglichkeiten für einen flexiblen Rentenübergang vorgestellt. Der demografische Wandel und das Langlebigkeitsrisiko erfordern neue Wege für den Renteneintritt. Eine frühzeitige Kommunikation zwischen der Rentenbehörde und den zukünftigen Rentnern senkt die Ungewissheit über die Rentenhöhe und erhöht die Planbarkeit.


Mit dem Europäischen Rentenauskunftssystem „European Tracking Service“ geht die EU hier vielversprechende Wege, indem die individuellen Renteninformationen über alle nationalen Säulen der Altersvorsorge und von allen beteiligten Mitgliedsstaaten abgerufen werden können. Der Vorteil für die Bevölkerung liegt auf der Hand, denn wenn frühzeitig Aufklärung über die Rentenhöhe vorhanden ist, dann können im Notfall auch noch Sparentscheidungen angepasst werden. Für Deutschland bietet die Deutsche Rentenversicherung mit der Digitalen Rentenübersicht bereits ein vergleichbares Produkt an.

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