
Gleichstellung der Geschlechter
Europäische Kommission veröffentlicht einen Fahrplan für die Rechte der Frau.
HS – 03/2025
Am 7. März, einen Tag vor dem Internationalen Frauentag, hat die
Europäische Kommission ihren Fahrplan für die Rechte der Frau und den Bericht zur Gleichstellung der Geschlechter 2025 vorgestellt. Der Fahrplan enthält keine konkreten
Initiativen, sondern Grundsätze und Ziele für die Förderung der Rechte der Frau
in den nächsten Jahren. Er bildet die Grundlage für die neue mehrjährige
Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter, die im kommenden Jahr
veröffentlicht wird. Die aktuelle Gleichstellungsstrategie läuft seit 2020 bis 2025.
Bericht zur Gleichstellung der Geschlechter
Der Bericht konstatiert, dass sich Europa in die richtige Richtung bewegt,
aber die Situation von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat sehr unterschiedlich ist.
In den letzten fünf Jahren hat die EU hinsichtlich Entgelttransparenz, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, Geschlechtergleichstellung in Unternehmensvorständen und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen große Fortschritte erzielt. Doch noch
immer liegt das geschlechtsspezifische Lohngefälle in den meisten Ländern bei
über 10 Prozent. Nach dem Renteneintritt übersetzte sich das, im Jahr 2023, in
ein geschlechtsspezifisches Rentengefälle von 25,4 Prozent. Außerdem hat jede dritte
Frau in der EU im Erwachsenenalter körperliche oder sexuelle Gewalt oder
Drohungen erlebt und diskriminierende Normen und Stereotype bestehen fort.
Acht Ziele des Fahrplans für die Rechte der Frau
Vor dem Hintergrund der Ergebnisse des
Gleichstellungsberichts zielt der Fahrplan für die Rechte der Frau darauf ab, strukturelle
diskriminierende Normen in unseren Gesellschaften anzugehen, um insgesamt acht
Ziele zu erreichen. Diese umfassen unter anderem die Freiheit von
geschlechtsspezifischer Gewalt, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und
Pflege, gleiche Beschäftigungschancen und angemessene Arbeitsbedingungen sowie
politische Partizipation und gleichberechtigte Vertretung.
Gesundheitsstandards und Gender Pension Gap
Ein weiteres Ziel sind höchste Gesundheitsstandards für
Mädchen und Frauen, indem die Mitgliedstaaten dabei unterstützt werden sollen,
den Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und den damit verbundenen
Rechten zu gewährleisten. Ebenfalls relevant in diesem Zusammenhang ist die Förderung
geschlechtersensibler medizinischer Forschung, klinischer Studien, Diagnosen
und Behandlungen. Mit Blick auf Lohngleichheit und die wirtschaftliche Stärkung
von Frauen soll unter anderem das geschlechtsspezifische Lohn- und
Rentengefälle beseitigt werden.
Geschlechtergerechtigkeit für mehr Wettbewerbsfähigkeit
Der aktuelle Schwerpunkt auf Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen
Kommission zeigt sich auch im Fahrplan für die Rechte der Frau. So stellt der
Fahrplan heraus, dass es für das Wachstum und die Stabilität der EU
unerlässlich sei, das Potenzial aller Frauen als Arbeitnehmerinnen,
Unternehmerinnen und Führungskräfte anzuerkennen und zu nutzen. Prognosen
zufolge könnte eine verbesserte Gleichstellung der Geschlechter das
Bruttoinlandsprodukt der EU pro Kopf bis 2050 um 6,1 bis 9,6 Prozent steigern,
was 1,95 bis 3,15 Billionen Euro entspricht. Vor diesem Hintergrund ist die
Förderung der Rechte der Frau auch eine strategische Investition in das
Wirtschaftswachstum und die Wettbewerbsfähigkeit der EU.
Ausblick
Die im Fahrplan
aufgestellten Grundsätze beziehen sich auf die zentralen Bereiche mit Blick auf
die Gleichstellung der Geschlechter: Gewalt, Gesundheit, Zeit, Geld, Arbeit,
Bildung und Wissen, Macht und institutionelle Mechanismen. Die
Gleichstellungsstrategie für die Zeit nach 2025 soll darauf aufbauend konkrete
politische Maßnahmen zur Bewältigung dieser Herausforderungen vorlegen. Eine
entsprechende öffentliche Konsultation soll im Frühjahr 2025 eröffnet werden.