
Sicherheit und Gesundheitsschutz in der Landwirtschaft
Herausforderungen bei der sozialen Absicherung von Landwirtinnen und Landwirten.
SK – 03/2025
Im März brachten das SafeHabitus-Projekt und der Europäische
Ausschuss der Regionen politische Entscheidungsträger, Forschende und
Interessenvertreter der Landwirtschaft zusammen. Gemeinsam diskutierten sie
über die Rolle der sozialen Sicherungssysteme bei der Verbesserung der
Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit sowie die Lebensqualität
der in der EU-Landwirtschaft Beschäftigten.
Gesteigertes Unfall- und Verletzungsrisiko
Der Agrarsektor steht vor besonderen
Herausforderungen. Nur jeder Zehnte, der in der Landwirtschaft arbeitet, ist
unter 40 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Landwirte in der EU liegt bei 57,
und in den nächsten Jahren wird die Hälfte von ihnen das Rentenalter erreichen.
Viele hält dies jedoch nicht davon ab, weiterzuarbeiten. Vor allem im Bereich
der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes birgt dies Risiken, denn ältere
Arbeitende haben ein größeres Unfall- bzw. Verletzungsrisiko.
Investition in gute Versorgung
Beispiele aus Irland, Frankreich und den USA gingen
auf die unterschiedlichen sozioökonomischen Herausforderungen des Agrarsektors
ein, die oft sehr ähnlich sind. Neben der sozialen Absicherung und dem unzureichenden
Generationswechsel spielen auch die dringende Notwendigkeit, die psychischen
Probleme von Landwirten anzugehen, und die Steigerung der Attraktivität des
Landwirtschaftsberufs eine Rolle. Um diese und weitere Herausforderungen zu
adressieren, bedarf es einer guten Versorgung und Lösungen, die auf die
Besonderheiten des Agrarsektors zugeschnitten sind.
Aufbau innovativer Präventionsangebote
Wie dies funktionieren kann, zeigt das Europäische
Netzwerk der Agrarsozialversicherungssysteme (ENASP). Dessen Mitglieder
sind engagierte Akteure in und für den ländlichen Raum, die sich um den Auf-
und Ausbau innovativer Präventions-, Gesundheits- und Versorgungsangebote
bemühen. Dass diese Arbeit Früchte trägt, zeigt sich vor allem in der
Altersstruktur der fünf ENASP-Mitgliedsstaaten (Deutschland, Finnland,
Frankreich, Österreich und Polen). Denn dort sind Landwirtinnen und Landwirte vergleichsweise
jünger, was sich auch in einem größeren Bewusstsein für Arbeitssicherheit,
Innovationsbereitschaft und Investitionen in moderne Maschinen und effizientere
Produktionsmethoden widerspiegelt.
Die Rolle der gemeinsamen Agrarpolitik
Um die europäische Landwirtschaft auf die
Zukunft auszurichten, hat sich die gemeinsame Agrarpolitik (GAP) kontinuierlich
gewandelt. Zu einer der Initiativen in der GAP 2023–2027 zählt die soziale
Konditionalität. Durch sie sind die GAP-Zahlungen an die Einhaltung bestimmter
EU-Arbeitsnormen geknüpft. Außerdem werden die Begünstigten angeregt, die
Arbeitsbedingungen auf den Höfen zu verbessern.
Des Weiteren leisten Betriebsberatungsdienste
im Rahmen der GAP einen Beitrag dazu, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz
im Agrarsektor zu verbessern. So können sie beispielsweise durch ihr Angebot
Landwirtinnen und Landwirte für psychische Gesundheit und Arbeitsunfälle
sensibilisieren. Vor allem in einem Sektor, in dem die Selbstmordrate in manchen
Mitgliedstaaten 20 Prozent über dem nationalen Durchschnitt liegt, ist dies von
immenser Bedeutung.