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Spanische Problemwelt

Katalonischen Banken droht im Falle der Unabhängigkeit von Spanien ein nicht zu unterschätzendes Chaos bei Refinanzierung und Inanspruchnahme von EZB-Leistungen.

GD/AD – 10/2017

Im Gegensatz zu allerhand hier und dort veröffentlichten Erfolgsmeldungen gärt es nach wie vor in der spanischen Bankenwelt. Dies wird gegenwärtig im Lichte der durch eine mögliche Abspaltung Kataloniens erschwerten Lage deutlich. Bereits vor dem nunmehr verschobenen, jedoch wohl kaum ausgeräumten Akt einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung, haben spanische Banken ihre Geschäftssitze aus Katalonien abgezogen. Katalonischen Banken droht im Falle einer Proklamation der Unabhängigkeit ein nicht zu unterschätzendes Chaos bei Refinanzierung und Inanspruchnahme von Zentralbankleistungen, bis hin zum Kontakt zur EZB. 

Schon im Sommer zeigte sich nach dem Absturz der „Banco Popular“ und der „Liberbank“ die Tendenz zur weiteren Bankenkonzentration. Unterschiede bestehen zwischen dem Charakter beider Geldhäuser: war die Banco Popular ein klassisches Anlageinstitut breiter Kreise – mit der Folge eines „Runs“ zur Rettung der eigenen Ersparnisse im Juni dieses Jahres, so ist die Liberbank eher für Investoren gefährlich durch entsprechende Kursstürze ihrer Aktien bis auf den Ramschwert von „penny stocks“. Wie der Infodienst Telepolis meldet, würden bei der Liberbank nunmehr die Richtlinien zur Bankenabwicklung angewandt, was den Aktionären massive Verluste einträgt. Diese Richtlinie sei eigentlich schon seit Anfang 2016 in Kraft, würde aber, wenn es politisch zweckdienlich wäre, gern umgangen. So sei dies etwa bei der italienischen Bank Monte Paschi di Siena oder zweier kleinerer venezianischer Geldhäuser geschehen. 

Die Banco Popular wurde seinerzeit noch für einen symbolischen Euro samt Verbindlichkeiten an die Banco de Santander verkauft. Ein massiver Jobverlust und Standortschließungen waren die wohl unvermeidliche Folge. Ähnlich wie die italienische Regierung habe, so Kritiker, die spanische Regierung wenig dazu beigetragen, den kritischen Zustand der Geldhäuser rechtzeitig offenbar zu machen. Gegen die Führung der Banco Popular laufen bereits Klagen: sowohl die Beschäftigten, als auch etliche Kreditnehmer seien bei umfangreichen Kapitalerhöhungen beeinflusst worden, auch gleich Aktien dieser Bank zu kaufen, die nun wertlos seien. 

Beobachter stellen den Wert einer Bankenkonzentration nach spanischem Muster infrage. Wie schließlich sollen die Abwicklungsregeln für den Fall angewendet werden, dass die bei weitem größte Bank des Landes, ja die Nr. 2 Europas, in Schwierigkeiten geriete? Immerhin soll, laut Infodienst Telepolis, Santander neben dem Popular-Filialnetz auch 5,2 Mrd. EUR Steuergutschriften aus der Übernahme der Popular erhalten. Branchenkenner nennen diese Entwicklung „too big to fail“ – „zu groß, um zu scheitern“. Angesichts latent wachsender Probleme der spanischen Volkswirtschaft durch den Regionalismus ist dies eine Partie mit Risiken auch für die Eurozone.