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EU-Strategie zu COVID-19-Therapeutika

Nach den Impfstoffen sind nun die Arzneimittel zur Behandlung von COVID-19 an der Reihe.

UM – 05/2021

Seit dem Frühsommer 2020 wurde im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie nichts so intensiv diskutiert wie die Impfstoffentwicklung und –herstellung, Impfstoffmengen und –lieferungen und Fragen rund um die Zulassung von Impfstoffen durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Ein Jahr später macht sich die EU-Kommission nun daran, ihre Vorstellungen, wie die Entwicklung von geeigneten Arzneimitteln zur Behandlung von COVID-19 vorangetrieben werden kann, zu präzisieren. 

Es wird auch Zeit

Eine etwas einseitige Fixierung auf Impfstoffe wird auch in Deutschland kritisch kommentiert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) räumt ein, dass seit Beginn der Pandemie in Deutschland von rund einer Milliarde Euro an Forschungsgeld nur etwa 17,5 Millionen für die Medikamentenforschung veranschlagt worden sind. Der Rest sei für die Impfstoffentwicklung gegen COVID-19 vorgesehen (siehe hier). Experten weisen jedoch darauf hin, dass jede Impfstoffkampagne von der Entwicklung von Therapeutika begleitet sein muss. Das will die EU offenbar nachholen. Am 6. Mai hat sie dazu ihre Strategie vorgestellt (COM(2021) 355 final).





Das therapeutische Angebot ist arg begrenzt

Freimütig räumt sie ein: Remdesevir ist bislang das einzige zugelassene Arzneimittel für die Behandlung von an COVID-19 Erkrankte. Das soll sich ändern. Bis Oktober 2021 sollen drei neue Therapien verfügbar sein, bis Ende des Jahres zwei weitere. Möglich wird dies, da die EMA bereits drei Medikamente im Rahmen des rollierenden Zulassungsverfahrens prüft und an mehr als 50 einschlägigen Entwicklungsprozessen beratend beteiligt ist. Teil der EU-Strategie ist, die Instrumente zur beschleunigten Zulassung bei möglichen neuen „Kandidaten“ umfassend zu nutzen. 

Abnehmer sind da

Zur Produktion der neuen Therapeutika soll auch auf die flexiblen Kapazitäten des „EU Fab“-Projektes zurückgegriffen werden können. Dazu hat die EU 40 Millionen Euro bereitgestellt. EU Fab ist ein europaweites Netz von Produktionskapazitäten für Impfstoffe und Arzneimittel, das im Krisenfall genutzt werden kann. Es soll langfristig Bestandteil der künftigen Europäischen Behörde für die Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen (HERA) werden. Die Produktion soll auch deshalb attraktiv werden, weil die EU-Kommission im Rahmen der Notfallreserve rescEU selbst Nachfrage nach den neuen COVID-19-Arzneimitteln entfalten will.