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Umsetzung des Europäischen Krebsplans

Krebsfrüherkennung mit Screening-Programmen soll modernisiert und ausgeweitet werden

UM – 09/2022

Die Europäische Kommission hat am 20. September ihren Vorschlag zur Überarbeitung der Ratsempfehlungen zur Krebsfrüherkennung vorgestellt. Die Empfehlungen sind aus dem Jahr 2003 und sollen ein Update bekommen. Die gesammelten Erkenntnisse der letzten 20 Jahre in methodischer wie technologischer Hinsicht sollen in die Überarbeitung einfließen mit dem Ziel, bei den etablierten bevölkerungsbezogenen Früherkennungsprogrammen zu Brust-, Gebärmutterhals- und Darmkrebs die Teilnahmequoten zu erhöhen. Bis 2025 soll 90 Prozent der infrage kommenden Personen ein entsprechendes Screening angeboten werden. Dies entspricht der Zielsetzung des Europäischen Plans gegen den Krebs.

Programm-Update für Brust-, Zervix- und Darmkrebs

Mit der Überarbeitung der Ratsempfehlungen werden sich die angewendeten Methoden und der Kreis der Anspruchsberechtigten teilweise verändern. Das Brustkrebs-Screening soll für Frauen im Alter von 45 bis 74 Jahren (heute 50 bis 69 Jahre) und mit digitaler Mammografie oder Tomosynthese durchgeführt werden. Beim Gebärmutterhals-Screening soll sich die Untersuchung auf Humane Papillomaviren nicht mehr an junge Frauen zwischen 20 und 30 Jahren richten, sondern einen deutlich älteren Kreis ansprechen (30 bis 65 Jahre) und deren Impfstatus berücksichtigen. Im Darmkrebs-Screening sollen immunchemische Stuhluntersuchungen die Tests auf okkultes Blut ablösen und Hinweise geben, wer zur anschließenden Koloskopie überwiesen wird.

Neue Programme für Lungen-, Magen-, Prostatakrebs

Um weitere Krebsarten einzubeziehen, sollen neue Programme stufenweise erforscht und entwickelt werden. Die neuen Screening-Verfahren sollen erst dann als Routineverfahren etabliert werden, wenn sie in randomisierten kontrollierten Studien evaluiert und hinsichtlich ihrer Evidenz bewertet worden sind. Anschließend sollen entsprechende Leitlinien zur Qualitätssicherung von Krebsfrüherkennungsprogrammen entwickelt werden, um sie in die Praxis umzusetzen. Als aussichtsreich erscheint ein Programm zur Früherkennung von Lungenkrebs. Zielgruppe sind aktuelle und ehemalige Raucherinnen und Raucher im Alter von 50 bis 75 Jahren. Aussichtsreich erscheint auch ein Prostata-Screening auf der Grundlage von PSA-Untersuchungen in Kombination mit ergänzender Magnetresonanztomografie (MRT). Die Zielgruppe ist hier: Männer bis zum 70. Lebensjahr. Erwogen wird auch ein Screening auf Helicobacter pylori. Dieses soll auf Regionen begrenzt werden, die eine hohe Inzidenz und eine hohe Sterberate an Magenkrebs aufweisen.

Die DSV hatte sich im Februar dieses Jahres im Rahmen einer Sondierung positioniert und auch zur Ausweitung des Screening-Ansatzes auf weitere Krebsarten geäußert. Eine Erweiterung der bevölkerungsbezogenen Früherkennungsprogramme auf andere Krebsarten erscheint nur bei genügend hoher Evidenz für deren Nutzen hinsichtlich Wirksamkeit, Qualität und Sicherheit sowie einer ausgewogenen Nutzen-Schadens-Bilanz gerechtfertigt. Unterstützung findet ein Lungenkrebsscreening, das auf starke Raucherinnen und Raucher begrenzt wird, so wie die Europäische Kommission vorschlägt. Sachgerecht erscheint auch, ein Magenkrebs-Screening regional zu begrenzen.