Europäische Kommission ruft Knowledge Hub ins Leben.

HS – 12/2025

Die Europäische Kommission hat das Social Investment Knowledge Hub ins Leben gerufen. Ziel des Portals ist es, evidenzbasierte Politik in den Bereichen Arbeitsmarkt, Kompetenzen und Sozialpolitik zu fördern. Das Knowledge Hub wurde in Zusammenarbeit mit dem Beschäftigungsausschuss (EMCO) und dem Ausschuss für Sozialschutz (SPC) eingerichtet und baut auf der Arbeit des Rates „Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz“ (EPSCO) sowie der Informellen Arbeitsgruppe für Sozialinvestitionen (IWGSI) auf.

Politischer Hintergrund

Das Knowledge Hub bezieht sich zentral auf die Ratsschlussfolgerungen zur Rolle der Arbeitsmarkt-, Kompetenz- und Sozialpolitik für resiliente Volkswirtschaften aus dem Juni 2024. Darin wird die wechselseitige Verstärkung von wirtschaftlichem Wachstum und sozialem Wohlbefinden betont. Es wird hervorgehoben, dass gut gestaltete und evidenzbasierte Arbeitsmarkt-, Kompetenz- und Sozialpolitik sowohl die soziale Lage der Menschen verbessern als auch Innovation, Produktivität und Arbeitsmarktteilhabe stärken können. Ihr Beitrag zum Humankapital und zur Produktivität kommt dem Wirtschaftswachstum zugute und fördert die Anpassungsfähigkeit an zukünftige Herausforderungen. Investitionen in den Bereichen Arbeitsmarkt, Kompetenzen und Soziales sind damit von entscheidender Bedeutung für die Resilienz von Volkswirtschaften.

Was sind soziale Investitionen?

Die Europäische Kommission versteht unter sozialen Investitionen öffentliche Ausgaben, die langfristig sowohl dem Wohlbefinden der Menschen als auch der Wirtschaft zugutekommen. Dazu zählen etwa frühkindliche Bildung und Betreuung, lebenslanges Lernen, berufliche Weiterbildung, aktive Arbeitsmarktpolitik oder Maßnahmen zur sozialen Inklusion. Es gibt jedoch keine allgemeingültige Definition sozialer Investitionen. Dies ist relevant, weil nur so deren volkswirtschaftliche Effekte vergleichbar abgebildet werden könnten. Aus diesem Grund wurde bereits im Juli 2023 auf Initiative des spanischen und belgischen Ratsvorsitzes eine Informelle Arbeitsgruppe für Sozialinvestitionen (IWGSI) ins Leben gerufen. Die von der Arbeitsgruppe entwickelten freiwilligen Leitprinzipien wurden vom Rat der EU angenommen und sollen die Mitgliedstaaten bei der Evaluation der Auswirkungen sozialer Investitionen auf das Wirtschaftswachstum unterstützen.

Aufgaben des Knowledge Hub

Vor diesem Hintergrund dient das Social Investment Knowledge Hub als Plattform für den Austausch bewährter Verfahren auf europäischer und nationaler Ebene. Es stellt Forschungs- und Evaluierungsinstrumente bereit, informiert über Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten und bündelt relevante Dokumente aus Veranstaltungen und Treffen. Zudem vernetzt es Nutzerinnen und Nutzer mit zentralen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern, um Zusammenarbeit und Informationsaustausch zu erleichtern. Schließlich soll im Rahmen des Knowledge Hub die Arbeit an der Entwicklung konkreter Berechnungsmethoden für Indikatoren zu sozialen Investitionen auf europäischer Ebene weitergeführt und etabliert werden. Damit legt der Knowledge Hub die Grundlage für eine bessere Berücksichtigung sozialer Investitionen im Rahmen des Europäischen Semesters.

Bedeutung für die Sozialversicherung

In der Sozialversicherung werden soziale Investitionen beispielsweise durch Rehabilitationsmaßnahmen in der Rentenversicherung, durch medizinische Versorgung in der Krankenversicherung und durch Gesundheits- und Arbeitsschutz in der Unfallversicherung umgesetzt. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Europäischen Säule sozialer Rechte und ihres Aktionsplans und haben in den vergangenen Jahren maßgeblich zur sozialen Aufwärtskonvergenz in Europa beigetragen. Die Sozialversicherungsträger können mit eigenen empirischen Studien und Modellrechnungen zum Knowledge Hub beitragen und somit ihre Bedeutung für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der EU untermauern.