iStockphoto-StadtratteMehrjährigen Finanzrahmen der EU
EMPL-Ausschuss diskutiert Kommissionsvorschlag.
VS – 01/2026
Der
Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten des Europäischen
Parlaments (EMPL) hat Mitte Januar den Entwurf
einer Stellungnahme zu dem
vom zuständigen Haushaltsausschuss erstellten Entwurf des Zwischenbericht über den Vorschlag
für den mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) für
den Zeitraum 2028-2034 diskutiert.
Die Debatte machte eine breite Ablehnung des Kommissionsvorschlags deutlich. Viele Abgeordnete forderten, das Konzept der
Zusammenlegung verschiedener Fonds abzulehnen und die Eigenständigkeit des Europäischen Sozialfonds
plus (ESF+) zu erhalten.
Mehrjähriger Finanzrahmen
Am 16.
Juli hat die Europäische Kommission einen Vorschlag für den nächsten
mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) vorgelegt (siehe hierzu News vom Juli 2025). Ziel des Vorschlags ist es, die
Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken und strategische Zukunftsinvestitionen
zu sichern. Die Struktur des Haushalts
orientiert sich an vier Bereichen: die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit durch
einen neuen Wettbewerbsfähigkeitsfonds mit einem Volumen von 409 Milliarden
Euro, die Stärkung der internationalen Rolle Europas mit 200 Milliarden Euro,
der Schutz der Bürgerinnen und Bürger sowie die Krisenresilienz mit 100 bis 110
Milliarden Euro sowie Investitionen und Reformen in Höhe von 865 Milliarden
Euro. Diese Mittel sollen über nationale und regionale
Partnerschaftspläne (NRPP) zugewiesen werden.
Unter
dem Schlagwort „Vereinfachung“ sollen in den NRPP 14 bisher eigenständige
Programme zusammengefasst werden, darunter der Kohäsionsfonds, die Gemeinsame
Agrarpolitik und der ESF+. Laut dem Vorschlag der Europäischen Kommission
sollen nach Abzug der Direktzahlungen der Gemeinsamen Agrarpolitik und der
Mittel des Sozialklimafonds 14 Prozent der verbleibenden NRPP-Mittel – rund
100 Milliarden Euro – für soziale Zwecke bereitgestellt werden.
Vorbild Aufbau- und Resilienzfazilität
Vorbild
für die NRPP ist das bis Ende 2026 laufende Programm der Aufbau- und
Resilienzfazilität (RRF). Es wurde zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen
der COVID-19-Pandemie ins Leben gerufen. Im Rahmen des RRF erhalten die
Mitgliedstaaten finanzielle Mittel zur Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und
Resilienz. Die RRF fördert gezielt die grüne und digitale Transformation,
soziale Widerstandsfähigkeit sowie strukturelle Reformen. Die konkreten
nationalen Pläne werden zwischen der EU-Kommission und den Mitgliedstaaten
ausgehandelt. Die Kommission koppelt die Auszahlung der Mittel an die Umsetzung
der vereinbarten Reformen und Investitionen. Dabei sind die im Europäischen
Semester verabschiedeten länderspezifischen Empfehlungen ein zentraler
Bestandteil der RRF-Pläne. So waren beispielsweise Mittelzahlungen an Belgien,
Österreich, Slowenien und Spanien an Reformen im Bereich Alterssicherung
geknüpft.
Dieses
Prinzip übernimmt der Kommissionsvorschlag für die NRPP. Auch hier sollen
Auszahlungen aus dem MFR an nationale Reformfortschritte geknüpft werden, die
sich an den länderspezifischen Empfehlungen orientieren. Dem Vernehmen nach
haben hochrangige EU-Beamte geäußert, dass dieses Instrument genutzt werden
könnte, um
Druck auf Mitgliedstaaten auszuüben, ihre
Rentensysteme nachhaltiger zu gestalten.
Verlust der Parlamentarischen Kontrolle
Im
EMPL-Ausschuss kritisierten die beiden Berichterstatter des federführenden
Haushaltsausschusses (BUDG), die Abgeordneten Mureșan und Tavares, dass über
die NRPP ein erheblicher Teil der EU-Mittel – etwa 40 Prozent – der Kontrolle
des Europäischen Parlaments entzogen werde. Demnach würde die Mittelverwendung
zwischen der EU-Kommission und den jeweiligen Mitgliedstaaten bilateral
verhandelt, während die Prüfung der Zielerreichung allein durch die
EU-Kommission erfolge. Dabei verweisen sie auch auf die Kritik des Europäischen Rechnungshofs, wonach die RRF bisher
weitgehend ihre Ziele verfehlt und kaum wirtschaftliche Impulse geliefert habe.
Auch die Umsetzung schreite nur schleppend voran.
Wie geht es weiter:
Die
Stellungnahme des EMPL-Ausschusses legt den Fokus auf Sozialpolitik, den
Arbeitsmarkt und die nationalen sowie regionalen Partnerschaftspläne (NRPP).
Sie wird von der Berichterstatterin Klara Dobrev (S&D) erarbeitet. Die
Abstimmung im EMPL-Ausschuss ist für den 25. und 26. Februar geplant.
Darüber
hinaus erarbeiten auch die Ausschüsse ITRE (Industrie, Forschung und Energie),
CULT (Kultur und Bildung), REGI (Regionalentwicklung), ENVI (Umwelt,
öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit), DEVE (Entwicklung), AGRI
(Landwirtschaft und ländliche Entwicklung) sowie LIBE (Bürgerliche Freiheiten,
Justiz und Inneres) Stellungnahmen zu dem Vorschlag. Die Stellungnahmen dieser
Ausschüsse fließen in den BUDG-Zwischenbericht ein, der voraussichtlich im Mai
2026 im Plenum des Europäischen Parlaments abgestimmt wird.
Der
Präsident des Europäischen Rates, António Costa, hat sich zum Ziel gesetzt,
noch vor Ende 2026 eine Einigung unter den Mitgliedstaaten zu erzielen.