Zypern übernimmt Verantwortung für ein starkes und offenes Europa.
NS – 01/2026
Unter dem Motto „Eine autonome
Union, offen zur Welt“ hat Zypern zum zweiten Mal in der Geschichte der
Europäischen Union (EU) den Vorsitz des Rates der EU in der ersten Jahreshälfte
2026 von Dänemark übernommen. Im zyprischen Programm werden insbesondere die Bereiche Verteidigungs- und Sicherheitspolitik, die wirtschaftliche
Stärkung und Stabilisierung der Finanzlage sowie die Umsetzung der Europäischen
Säule sozialer Rechte priorisiert. Mit diesen Maßnahmen soll die autonome
Handlungsfähigkeit der EU gestärkt und auf zukünftige Herausforderungen
vorbereitet werden.
Faire Arbeitsmobilität und inklusive Beschäftigung
Herausforderungen und Chancen
werden in der Arbeits- und Sozialpolitik gesehen. Die zyprische
Ratspräsidentschaft betont die Bedeutung fairer Arbeitskräftemobilität für
einen stabilen und leistungsfähigen europäischen Arbeitsmarkt. Im Fokus stehen
die Beratungen zum Paket zur fairen Arbeitskräftemobilität sowie der Abschluss
der Verhandlungen zur Modernisierung der Koordinierung der sozialen Sicherheit.
Auch das Thema fairer und inklusiver Beschäftigung hat Priorität. Vor dem
Hintergrund des digitalen und KI-getriebenen Wandels des Arbeitsmarktes sollen
vor allem innovationstreibende Maßnahmen unterstützt werden, um die
Arbeitsbedingungen langfristig zu verbessern, soziale Ungleichheiten zu
verringern und einen gerechten Übergang für Beschäftigte zu gewährleisten.
Die zyprische Präsidentschaft
verfolgt weiterhin das Ziel, die Rolle des Rates für Beschäftigung,
Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz (EPSCO) im Europäischen
Semester zu stärken, eine partielle allgemeine Ausrichtung zur Anpassung der
bestehenden Verordnung zum Europäischer Sozialfonds Plus (ESF+) zu erreichen
sowie Fortschritte bei der Praktikumsrichtlinie voranzubringen.
Ein weiterer Fokus liegt auf der
Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. In diesem Zusammenhang wird die
sechste Novelle der Richtlinie 2004/37/EG zu karzinogenen, mutagenen und
reproduktionstoxischen Stoffen vorangetrieben. Zudem beabsichtigt Zypern, die
Arbeiten zur anstehenden Überarbeitung der REACH-Verordnung aufzunehmen.
Soziale Sicherheit
In ihrem Programm macht die zyprische
Ratspräsidentschaft deutlich, dass die soziale Sicherheit ein zentrales
Fundament der europäischen Gemeinschaft bleibt. Im Rahmen der Sozialstrategie liegt
der Fokus auf dem verantwortungsvollen Umgang mit dem demografischen Wandel und
die Förderung der Geschlechtergerechtigkeit. Die Bekämpfung von Gewalt gegen
Mädchen und Frauen im Netz wird laut Zypern hierbei einen herausragenden
Stellenwert im Kontext der bevorstehenden Europäischen Strategie für die
Gleichstellung der Geschlechter 2026–2030 einnehmen. Auf Grundlage der
Berichterstattung des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen über die
Verbreitung, die Auswirkungen und die derzeitigen politischen Lücken hat sich
die Ratspräsidentschaft vorgenommen, Schlussfolgerungen zur Verbesserung des
Schutzes und der Rechte von Mädchen und Frauen im digitalen Raum vorzuschlagen.
Darüber hinaus werden
EU-Strategie zur Bekämpfung von Armut sowie die Europäische Garantie für Kinder
weiter unterstützt. Im Mai 2026 sind hierzu eine Konferenz zum Thema des
Wohlbefindens von Kindern sowie eine Konferenz über die Inklusion und Stärkung von
Menschen mit Behinderungen geplant.
Der zyprische Vorsitz wird sich –
im Sinne einer stärkeren europäischen Einbindung der Wohnungspolitik und auf
Grundlage bestehender EU-Initiativen – auch für das Thema des bezahlbaren
Wohnraums einsetzen. Dabei wird Wohnen als Querschnittsthema verstanden, das sowohl
demografische Aspekte als auch Energiearmut umfasst.
Gesundheit
Im Rahmen der zyprischen
Ratspräsidentschaft wird in der Gesundheitspolitik ein besonderer Fokus auf
Aspekte psychischer Gesundheit gelegt. Im Februar findet dazu eine informelle EPSCO-Tagung
statt, bei der insbesondere der Jugend- und Inklusionsbereich im Mittelpunkt
stehen werden. Des Weiteren wird der Aktionsplan für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen („Safe Hearts Plan“) weiter in den Vordergrund
gerückt.
Zypern hat sich darüber hinaus zum
Ziel gesetzt, die aktuellen Gesetzgebungsverfahren im Arzneimittelbereich,
insbesondere das Gesetz zu kritischen Arzneimitteln (Critical Medicine Act),
die Anpassungen an der Medizinprodukteverordnung (MDR) sowie die
In-vitro-Diagnostika-Verordnung (IVDR), weiter voranzutreiben. Es ist
vorgesehen, Europa als Exzellenzstandort für Forschung und die Arzneimittelproduktion
weiter zu fördern. Die zyprische Ratspräsidentschaft benennt zudem weitere
Bestrebungen für eine verstärkte internationale Zusammenarbeit im Bereich
aufkommender Gesundheitsbedrohungen. Die Umsetzung des Europäischen
Gesundheitsdatenraums soll weiterhin gezielt vorangetrieben werden, um die
Europäische Gesundheitsunion zu vollenden. Darüber hinaus werden erste Verhandlungen
zum Biotech-Act im Gesundheitsbereich angekündigt.
Wettbewerbsfähigkeit und Digitalisierung
Parallel dazu setzt sich der
zyprische Vorsitz für den Ausbau eines sicheren, leistungsfähigen und
innovationsorientierten digitalen Europas ein. Ziel ist es, die Arbeiten an
zentralen Gesetzesinitiativen zu digitalen Netzen, Cloud und KI voranzubringen und
bereits ergriffene Omnibusmaßnahmen, insbesondere durch Fortschritte beim
Europäischen Business Wallet, zur Stärkung der grenzüberschreitenden digitalen
Wirtschaft zu fördern.