SANT-Ausschuss stellt Initiativbericht zur EU-Strategie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.

NS – 02/2026

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Nachdem die Europäische Kommission bereits im Dezember letzten Jahres ihren Plan zur kardiovaskulären Gesundheit: Plan für Sichere Herzen ("Safe Hearts Plan") vorgestellt hat, befasst sich nun auch das Europäische Parlament mit dem Thema. Am 2. Februar präsentierte die kroatische S&D-Abgeordnete Romana Jerković im Ausschuss für öffentliche Gesundheit (SANT) den ersten Entwurf ihres Initiativberichts zur EU-Strategie zu kardiovaskulären Erkrankungen. Die Berichterstatterin hob die zentralen Herausforderungen im Umgang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen hervor und sprach sich für einen stärkeren Fokus auf Prävention sowie eine langfristige, zweckgebundene Finanzierung aus.

Regulierung vermeidbarer Risikofaktoren

Im Zentrum des Berichts steht die Reduzierung vermeidbarer Risikofaktoren durch gezielte Regulierung. Um die Attraktivität und Verfügbarkeit von Tabak- und Nikotinprodukten zu senken, schlägt Jerković ein breites Maßnahmenpaket vor, das über Steuern und Marktregulierung gezielt bei Preis, Produktgestaltung und Vermarktung ansetzt. Anders als im „Safe Hearts Plan“ der Kommission wird im Berichtsentwurf auch Alkohol ausdrücklich als Risikofaktor benannt und verpflichtende, gut sichtbare Warnhinweise gefordert.


Auch beim Thema Ernährung und Bewegung macht Jerković deutlich, dass der hohe Konsum stark verarbeiteter sowie fett-, zucker- und salzreicher Lebensmittel ein zentrales Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellt. Begegnet werden soll dem mit verpflichtenden „Front-of-Pack“-Kennzeichnungen, Reformulierungszielen für Salz, Zucker und gesättigte Fettsäuren sowie Einschränkungen beim Marketing ungesunder Lebensmittel. Ergänzend soll die Ernährungsbildung in Schulen ausgeweitet werden.

Soziale und ökologische Gesundheitsdeterminanten

Darüber hinaus werden in dem Bericht sozioökonomische Gesundheitsdeterminanten stärker in den Fokus gerückt. Neben sozialen, geschlechtsspezifischen und regionalen Ungleichheiten beim Zugang zu Prävention und Versorgung werden auch Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung und Lärm als bislang unterschätzte Gesundheitsrisiken benannt.

Früherkennung und Primärversorgung stärken

Handlungsbedarf sieht Jerković zudem bei der Früherkennung. Diese soll sich stärker an individuellen Risikoprofilen orientieren und vor allem in der Primärversorgung stattfinden. Vorgeschlagen werden evidenzbasierte EU-Leitlinien, frühe Screenings sowie gezielte Gesundheitschecks für Risikopersonen unter 35 Jahren. Hingewiesen wird ebenfalls auf die Notwendigkeit des Aufbaus geeigneter Versorgungsstrukturen in strukturschwachen Regionen.

Versorgung und Gleichstellung

Im Bereich der Behandlung und Rehabilitation wird im Initiativbericht ein schneller und fairer Zugang zu qualitativ hochwertiger medizinischer Versorgung entlang der gesamten Versorgungskette gefordert. Berufliche Rehabilitation und soziale Wiedereingliederung müssen laut Jerković als feste Bestandteile einer wirksamen Herz-Kreislauf-Versorgung angesehen werden. Zugleich weist sie in dem Bericht auf die Bedeutung umfassender Versorgungsansätze bei Multimorbidität sowie auf die weiterhin verbreitete Unterdiagnose und Unterversorgung von Frauen hin.

Bewertung und Ausblick

Der Berichtsentwurf von Jerković stieß im Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlament fraktionsübergreifend auf breite Zustimmung. Zugleich wurde jedoch mehrfach darauf hingewiesen, dass ambitionierte Ziele ohne verlässliche Finanzierung kaum Wirkung entfalten können. In der Debatte stellte Jerković klar, dass es nicht um ein „für oder gegen Industrie“ handle, sondern um den Schutz der öffentlichen Gesundheit.


Auch die DSV begrüßt den präventionsorientierten Ansatz des Berichts. Positiv bewertet werden insbesondere die stärkere Berücksichtigung sozioökonomischer Faktoren sowie die klare Benennung der Bedeutung leitliniengerechter Behandlung, kontinuierlicher Nachsorge und eines bedarfsgerechten Zugangs zu Rehabilitation. Aus Sicht der DSV sollte der Schwerpunkt jedoch klar auf der Verhältnisprävention liegen. Breit angelegte Screeningprogramme bergen Risiken wie Überdiagnostik. Zielführender erscheint eine gezielte, risikobasierte Früherkennung in der Primärversorgung.


Die Abgeordneten haben nun Zeit Änderungsanträge zum Berichtsentwurf einzubringen. Die finale Abstimmung im Plenum des Europäischen Parlaments ist derzeit für den 15. Juni geplant.