atlasstudioEngagement gegen Krebs
Entschließung des EU-Parlaments zum Weltkrebstag.
CC – 02/2026
Am 12. Februar
hat das Europäische Parlament anlässlich des Weltkrebstages (4. Februar) eine Entschließung zur weiteren Umsetzung von „Europe’s Beating Cancer Plan“ mit breiter Mehrheit angenommen.
Darin bekräftigen die Abgeordneten ihre Solidarität mit allen Patientinnen und
Patienten, Überlebenden und Angehörigen sowie mit den Beschäftigten im
Gesundheitswesen und in der Forschung, die in ganz Europa gegen Krebs kämpfen.
Krebs als anhaltende Herausforderung für Europa
Nach Angaben des
Europäischen Krebsinformationssystems werden in der EU jährlich rund 2,7
Millionen Neuerkrankungen diagnostiziert, mehr als 1,3 Millionen Menschen
sterben an Krebs. Die krebsbedingten Gesundheitsausgaben haben sich seit 1995
mehr als verdoppelt und beliefen sich 2023 auf etwa 120 Milliarden Euro. Bis
2050 wird aufgrund der demografischen Entwicklung mit einem weiteren deutlichen
Anstieg gerechnet. Gleichzeitig zeigt sich ein erhebliches
Präventionspotenzial: Bis zu 40 Prozent aller Krebsfälle könnten durch wirksame
Maßnahmen vermieden werden.
Finanzierung im nächsten MFR
Ein Schwerpunkt
der Entschließung liegt auf dem kommenden Mehrjährigen Finanzrahmen
(2028–2034). Das Parlament kritisiert, dass bislang keine zweckgebundenen
Mittel für die Gesundheit vorgesehen sind, und fordert ein eigenständiges
EU-Gesundheitsprogramm mit eigener Mittelausstattung. Ohne verlässliche
Finanzierung, so der Tenor in der politischen Plenardebatte, blieben politische
Zusagen wirkungslos. Gefordert werden Investitionen in Prävention, Screening,
Impfprogramme, Personalentwicklung sowie Onkologie-Datensysteme.
Zugang zu Innovationen und Abbau von Ungleichheiten
Die Entschließung stellt zudem bestehende
Ungleichheiten klar heraus. Zwischen den Mitgliedstaaten gibt es deutliche
Unterschiede bei Prävention, Screening, Behandlung und Nachsorge. Besonders
kritisch sieht das Parlament den ungleichen Zugang zu innovativen
Krebsarzneimitteln. Trotz EU-Zulassung sind neue Therapien nicht überall
verfügbar, mit spürbaren Differenzen bei Arzneimittelzugang und
Überlebenschancen zwischen West- und Osteuropa. Zudem werden
geschlechtsspezifische Ungleichheiten und Benachteiligungen bei seltenen Krebsarten
betont. Die Abgeordneten fordern einen gerechten Zugang zu Therapien und den Ausbau
der grenzüberschreitenden Versorgung.
Prävention, Gleichstellung und Schutz von Überlebenden
Das Parlament
fordert auch eine konsequente Umsetzung der Empfehlungen zur Krebsfrüherkennung
und zu impfpräventablen Krebsarten. In der Debatte standen insbesondere
Alkohol- und Tabakkonsum als zentrale, vermeidbare Risikofaktoren im Fokus.
Über die genaue Formulierung gab es Differenzen. Änderungsanträge, die – in
Anlehnung an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) – festhalten wollten, dass
es kein risikofreies Maß an Alkoholkonsum gibt oder einen „klaren Zusammenhang“
zwischen Alkohol und Krebs benennen, fanden vor allem wegen der Ablehnung durch
die EVP und weitere konservative Abgeordnete keine Mehrheit. Dieser Konflikt
war politisch erwartbar. Fragen der Alkohol- und Tabakregulierung gehören seit
Jahren zu den besonders sensiblen Feldern der europäischen Gesundheitspolitik,
nicht zuletzt aufgrund des starken Einflusses entsprechender
Wirtschaftsinteressen.
Neben Prävention
und evidenzbasierter Kommunikation gegen Desinformation bekräftigt das
Parlament zudem die Notwendigkeit, Krebsüberlebende besser zu schützen. Das
„Recht auf Vergessenwerden“ soll EU-weit gestärkt werden, um finanzielle
Diskriminierung beim Zugang zu Krediten und Versicherungen zu vermeiden und die
soziale Teilhabe langfristig zu sichern.
Weltkrebstag erneut als politisches Signal
Wie bereits in
den Vorjahren nutzt das Parlament den Weltkrebstag gezielt, um das Thema erneut
prominent aufzugreifen. Damit knüpft es an die intensive Vorarbeit der
vergangenen Legislaturperiode an. Mit dem Sonderausschuss BECA (Beating Cancer
Committee) hatte das Parlament 2020–2022 die Grundlage für eine umfassende
europäische Krebsstrategie gelegt. Dessen Abschlussbericht mündete in dem
EU-Plan zur Krebsbekämpfung im Jahr 2022. Unter der damaligen
Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides war die Krebsbekämpfung eines der
zentralen gesundheitspolitischen Initiativen der EU. Die aktuelle Entschließung
unterstreicht, dass der Krebsplan kein abgeschlossenes Thema ist, sondern
weiterhin politischer Aufmerksamkeit, Finanzierung und Koordinierung bedarf;
trotz sich ändernder politischen Prioritäten.