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Neue Entschließung des Europäischen Parlaments soll den Ansatz „Vision Null“ stärken.
SK – 05/2026
Das Europäische Parlament will
den Arbeitsschutz in Europa stärken. Am 21. Mai verabschiedeten die
Abgeordneten mit großer Mehrheit (395 Ja-Stimmen, 12 Nein-Stimmen und 41
Enthaltungen) eine Entschließung
zur Verringerung arbeitsbedingter Todesfälle. Eingebracht wurde der
Vorschlag von der italienischen Europaabgeordneten Chiara Gemma (EKR). Kern der
Entschließung ist die Forderung nach einem europäischen Gedenktag für durch die
Arbeit geschädigte Personen sowie nach einem besseren Schutz und einer
stärkeren Wahrung der Würde von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.
Erinnerung an Bois du Cazier
Der Gedenktag soll künftig jedes
Jahr am 8. August begangen werden und an das Grubenunglück von Bois du Cazier
im belgischen Marcinelle erinnern. Bei der Katastrophe von 1956 kamen 262
Bergleute ums Leben, darunter zahlreiche Arbeiter aus mehreren heutigen
EU-Mitgliedstaaten; mehr als die Hälfte von ihnen stammte aus Italien. Nach
Ansicht des Europäischen Parlaments soll der Gedenktag nicht nur an Opfer von
Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten in Europa erinnern, sondern auch das
Bewusstsein für Prävention, sichere Arbeitsbedingungen und wirksame Kontrollen
stärken. Gleichzeitig soll er das politische Bekenntnis der EU und ihrer Mitgliedstaaten
zum Ansatz „Vision Zero“ untermauern – dem langfristigen Ziel, arbeitsbedingte
Todesfälle vollständig zu vermeiden.
Klimawandel am Arbeitsplatz
Besonderes Augenmerk legt die
Entschließung auf neue Risiken durch den Klimawandel. Das Europäische Parlament
fordert die Europäische Kommission auf, Gefahren wie Hitzebelastung, extreme
Wetterereignisse, Luftverschmutzung und neue biologische Risiken umfassend zu
bewerten und Präventionsmaßnahmen weiter auszubauen. Notwendig seien unter
anderem Frühwarnmechanismen sowie branchenspezifische Leitlinien für besonders
betroffene Bereiche wie Bauwesen, Landwirtschaft, Verkehr und Rettungsdienste.
Mit den Folgen des Klimawandels
für die Arbeitswelt beschäftigt sich auch die Europäische Agentur für
Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA). In einer neuen Vorausschau-Studie untersucht die Agentur, wie Klimawandel und Klimaschutzmaßnahmen die Sicherheit
und Gesundheit von Beschäftigten in den kommenden 25 Jahren beeinflussen
könnten. Im Fokus stehen dabei nicht nur unmittelbare Risiken wie Hitzestress,
sondern auch langfristige Veränderungen durch neue grüne Technologien,
veränderte Arbeitsorganisation, steigende Arbeitsmobilität und wirtschaftliche
Transformationsprozesse. Die Studie zeigt, dass auch Präventionsstrategien und
Arbeitsschutzsysteme weiterentwickelt werden müssen, um künftigen Belastungen wirksam
begegnen zu können.
Digitalisierung und KI-Risiken
Auch die Folgen von Künstlicher
Intelligenz (KI) für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz greift
das Europäische Parlament in seiner Entschließung auf. Die Abgeordneten fordern
die EU-Kommission auf, Risiken durch KI-gestützte und algorithmische
Managementsysteme stärker zu bewerten und zu regulieren. Genannt werden unter
anderem Arbeitsverdichtung, psychosoziale Belastungen, übermäßige Überwachung
sowie die zunehmende Entgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit. Besonders
Beschäftigte auf digitalen Plattformen oder in algorithmisch gesteuerten
Arbeitsprozessen seien erhöhten Risiken ausgesetzt.
Stärkere Durchsetzung des Arbeitsschutzes
Zudem fordern die
Europaabgeordneten eine konsequentere Durchsetzung bestehender
Arbeitsschutzvorschriften – eine Forderung, die zunehmend auch von
Arbeitgeberverbänden unterstützt wird. Dafür müssten die
Arbeitsaufsichtsbehörden europaweit personell und finanziell besser
ausgestattet werden. Verstöße gegen Arbeitsschutzvorgaben – insbesondere in Unterauftragsketten
sowie gegenüber Wanderarbeitnehmerinnen und Wanderarbeitnehmern oder entsandten
Beschäftigten – sollen nach dem Willen des Europäischen Parlaments wirksamer
kontrolliert und sanktioniert werden, vor allem wenn grobe Fahrlässigkeit zu
schweren Verletzungen oder Todesfällen führt.