Adobe Stock/katarzynaBinnenmarktintegration
EU-Institutionen unterzeichnen Fahrplan zur Vertiefung des Binnenmarkts.
HS – 05/2026
Am Rande eines
informellen Treffens der Staats- und Regierungschefinnen und -chefs in Zypern
am 23. und 24. April haben der zyprische Präsident für die Ratspräsidentschaft
sowie die Präsidentinnen des Europäischen Parlaments und der Europäischen
Kommission den Fahrplan „One Europe, One Market“ unterzeichnet. Dieser Fahrplan legt als
bindende interinstitutionelle Vereinbarung gemeinsame Ziele und prioritäre
Gesetzesvorhaben für die Vertiefung des Binnenmarkts bis Ende 2027 fest.
Vereinbarte Ziele
Die drei Institutionen
verpflichten sich durch den Fahrplan, den Binnenmarkt entlang von fünf
strategischen Prioritäten zu vertiefen: die Vereinfachung von Regeln, die
stärkere Integration des Binnenmarkts durch den Abbau bestehender Barrieren,
die Stärkung der europäischen Handelspolitik, die Senkung von Energiepreisen
bei gleichzeitiger Dekarbonisierung sowie die Förderung der digitalen
Transformation. Zudem vereinbaren die Institutionen eine engere politische
Koordinierung und verpflichten sich unter Wahrung der jeweiligen
institutionellen Zuständigkeiten zu einer zügigen Umsetzung der vereinbarten
Maßnahmen.
Prioritäre Gesetzesvorhaben
Von den grundlegenden
Zielen abgesehen definiert der Fahrplan 42 prioritäre Gesetzesvorhaben und
Handelsabkommen in den fünf genannten Bereichen, die für die weitere
Integration des Binnenmarkts von besonderer Bedeutung sind. Für alle Vorhaben
werden konkrete Fristen festgelegt, bis zu denen politische Einigungen erzielt
werden sollen. So soll etwa zum Digital-Omnibus im Bereich der künstlichen
Intelligenz bis Juni 2026 eine Einigung erreicht werden, ebenso zur
eDeclaration für die Entsendung von Arbeitskräften. Für die European Business
Wallets wird eine politische Einigung bis Ende 2026 angestrebt, für das Paket für
faire Arbeitskräftemobilität bis zum dritten Quartal 2027.
Soziale Aspekte im Fahrplan
Soziale Aspekte spielen
im Fahrplan insgesamt eine eher untergeordnete Rolle. Im Verlauf der
Verhandlungen hatte deshalb das Europäische Parlament – insbesondere
Abgeordnete von S&D und Grünen – eine entsprechende Anpassung gefordert. In
der finalen Fassung wurde daraufhin ergänzt, dass bei der regelmäßigen
Überprüfung des Fahrplans auch Maßnahmen zur stärkeren Berücksichtigung der
sozialen Dimension des Binnenmarkts geprüft werden sollen. Zudem finden sich
einzelne sozialpolitische Vorhaben unter den prioritären Gesetzesvorhaben, etwa
die Initiative zur Portabilität von Kompetenzen, das Paket für Zusatzrenten
sowie das Paket für faire Arbeitskräftemobilität.
Hintergrund
Hintergrund der
Initiative sind geopolitische Rivalitäten, technologische Umbrüche und
wirtschaftliche Unsicherheiten, denen mit einem stärkeren und besser
integrierten europäischen Binnenmarkt begegnet werden soll. In den
Verhandlungen setzten die Institutionen jedoch unterschiedliche Akzente und
waren zu verschieden weitgehenden Zusagen bereit. So strich der Rat einzelne
Elemente des ursprünglichen Kommissionsentwurfs, insbesondere die Vorgaben zur
Vermeidung von Gold-Plating bei der nationalen Umsetzung von EU-Recht sowie die
angestrebte stärkere Nutzung von Verordnungen anstelle von Richtlinien. Auch
das Europäische Parlament brachte Änderungen ein und setzte vor allem eine
stärkere Berücksichtigung sozialer Aspekte im Fahrplan durch.