Braucht Europa klarere Regeln für Hitze am Arbeitsplatz?

SK – 06/2026

Während Beschäftigte in vielen europäischen Städten Ende Juni versuchen, mit der ersten großen Hitzewelle des Jahres zurechtzukommen, diskutieren Expertinnen und Experten bei verschiedenen Veranstaltungen in Brüssel über die Auswirkungen des Klimawandels auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Im Fokus standen neben der Landwirtschaft auch andere Branchen wie Bauwirtschaft und Fischerei, die ebenfalls besonderen Belastungen durch Hitze ausgesetzt sind.

Ein gefährlicher Mix von Risiken

Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zeigen, wie viele Beschäftigte weltweit von Hitze und extremen Wetterereignissen betroffen sind. Sie sind alarmierend, dürften laut ILO die tatsächliche Belastung jedoch noch unterschätzen. Beschäftigte, insbesondere diejenigen, die im Freien tätig sind, sind längst nicht mehr nur während Hitzewellen hohen Temperaturen ausgesetzt. Zunehmend wirken sich auch dauerhaft erhöhte Temperaturen außerhalb von Hitzewellen auf ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit aus.


Die Risiken beschränken sich dabei nicht auf klassische klimabedingte Gefahren wie extreme Hitze oder UV-Strahlung. Hinzu kommen weitere Belastungen, darunter der Umgang mit Agrarchemikalien, durch Vektoren übertragene Krankheiten sowie Luftverschmutzung.

Lücken im Arbeitsschutz

Zwar verpflichtet die europäische Arbeitsschutzrahmenrichtlinie Arbeitgeber indirekt bereits dazu, Hitzebelastungen am Arbeitsplatz zu berücksichtigen. Aus Sicht von Arbeitnehmervertretungen reichen diese Vorgaben jedoch nicht aus. Auch die Bestimmungen in den Einzelrichtlinien für das Bauwesen und die Fischerei bleiben dahinter zurück, da klare Bezüge zu Hitze und extremen Wetterbedingungen fehlen.


Technische Leitlinien sind freiwillig. Verbindliche gesetzliche Vorgaben schaffen dagegen die notwendigen Anreize für Arbeitgeber, Maßnahmen gegen Hitzebelastungen am Arbeitsplatz umzusetzen. Dies wird auch durch aktuelle Daten der Europäischen Unternehmensbefragung über neue und aufkommende Risiken (ESENER) bestätigt. Sie zeigen, dass gesetzliche Regelungen der wichtigste Treiber für Präventionsmaßnahmen in Unternehmen sind. Die Arbeitsschutzrahmenrichtlinie würde grundsätzlich die Möglichkeit bieten, eine eigenständige Richtlinie zu Hitzestress am Arbeitsplatz zu schaffen. Diese könnte sich an bestehenden technischen Arbeitsschutzrichtlinien orientieren, etwa an den Vorgaben zum Schutz vor Lärm.

Zukünftige Initiativen

Die finnische Europaabgeordnete Maria Ohisalo (Grüne) wird im Sommer mit der Ausarbeitung eines Entwurfs für einen Initiativbericht des Ausschusses für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten (EMPL) beginnen. Sie betont zwar die Bedeutung von Leitlinien und weiteren Unterstützungsmaßnahmen, setzt sich zugleich aber für verbindliche gesetzliche Regelungen zum Schutz vor Hitze am Arbeitsplatz ein. Auch die Europäische Kommission kündigte Ende Juni an, im Rahmen der Vorbereitung des Quality Jobs Act sowie der Überarbeitung der Arbeitsstättenrichtlinie Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel stärker berücksichtigen zu wollen.