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Europäische Kommission kündigt Überarbeitung der Tabakvorschriften und Werbung an.
CC – 06/2026
Mit der geplanten
Überarbeitung der Vorschriften für Tabakerzeugnisse und Tabakwerbung steht die
europäische Tabakpolitik vor der nächsten Reformrunde. Die Europäische
Kommission will im vierten Quartal 2026 einen Vorschlag zur Änderung der
Richtlinie über Tabakerzeugnisse (2014/40/EU) sowie der Richtlinie über
Tabakwerbung (2003/33/EG) vorlegen. Damit zeichnet sich erstmals seit mehr als
zehn Jahren eine grundlegende Reform des europäischen Rechtsrahmens für Tabak-
und Nikotinprodukte ab.
Stockende Verhandlungen bei der Tabakbesteuerung
Parallel dazu
laufen weiterhin die Verhandlungen über die Überarbeitung der
Tabaksteuerrichtlinie (2011/64/EU). Diese legt harmonisierte Mindestsätze für
verarbeitete Tabakprodukte fest und lässt den Mitgliedstaaten Spielraum für
höhere nationale Verbrauchsteuersätze. Mit ihrem im Juli 2025 vorgelegten
Vorschlag wollte die Kommission neue Tabak- und Nikotinprodukte in den
steuerrechtlichen Rahmen einbeziehen und bestehende Regelungslücken schließen.
Im Rat kam unter
zyprischer Ratspräsidentschaft jedoch keine Einigung der Mitgliedstaaten
zustande, sodass die Beratungen nun unter irischer Ratspräsidentschaft
fortgesetzt werden. Auch im Europäischen Parlament verliefen die Beratungen
kontrovers. Das Plenum lehnte am 17. Juni den Vorschlag zur Neufassung der
Richtlinie über die Struktur und die Sätze der Verbrauchsteuern auf Tabak und
tabakverwandte Erzeugnisse ab und forderte die Kommission auf, ihn zurückzuziehen.
Sozialdemokraten, Liberale, Grüne und Linke begrüßten die Ablehnung als Erfolg
und forderten eine ambitionierte Fortführung der Reform. PfE, EKR und Teile der
EVP hatten dagegen auf deutlich zurückhaltendere Anpassungen gesetzt. Zwar
kommt dem Parlament im Bereich der Tabakbesteuerung lediglich eine beratende
Rolle zu, die Abstimmung setzt jedoch ein politisches Signal für die weiteren
Beratungen im Rat.
Neue Reformrunde für Tabak- und Nikotinprodukte
Während die
Reform der Tabakbesteuerung ins Stocken geraten ist, bereitet die Kommission
bereits die Überarbeitung der produkt- und werberechtlichen Vorschriften vor.
Aus Sicht der Kommission haben neue Produkte und unterschiedliche nationale
Regelungen den Binnenmarkt zunehmend fragmentiert. Mehrere Mitgliedstaaten haben
in den vergangenen Jahren eigene Vorschriften eingeführt, etwa zu
Geschmacksstoffen in E-Zigaretten, Einweg-E-Zigaretten, Tabakerhitzern,
Nikotinbeuteln oder neutralen Einheitsverpackungen. Gleichzeitig gewinnen
neuartige Nikotinprodukte an Bedeutung, die bislang nur teilweise von den
bestehenden EU-Vorschriften erfasst werden. Besondere Aufmerksamkeit richtet
die Kommission zudem auf die Vermarktung über soziale Medien und Influencer, die
insbesondere junge Menschen erreicht.
Strengere Vorgaben für neue Produkte und Werbung
Mit der
Initiative verfolgt die Kommission einen doppelten Ansatz: Einerseits sollen
unterschiedliche nationale Regelungen harmonisiert und damit das Funktionieren
des Binnenmarkts verbessert werden. Andererseits soll der gesundheitspolitische
Rahmen an neue Konsumgewohnheiten angepasst und ein Beitrag zur Umsetzung des
Europäischen Plans zur Krebsbekämpfung geleistet werden. Vieles spricht dafür,
dass die Kommission dabei einen ambitionierten Kurs einschlagen wird. Erwartet
werden strengere Vorschriften für Geschmacksstoffe, Verpackung und
Kennzeichnung, eine Einbeziehung neuartiger Produkte wie Nikotinbeutel sowie eine
deutlich schärfere Regulierung von Werbung und Marketing in digitalen Medien.
DSV unterstützt ambitionierte europäische Regeln
Die Deutsche
Sozialversicherung (DSV) begrüßt in ihrem Feedback zur Sondierung die angekündigte
Überarbeitung der EU-Tabakgesetzgebung. Aus Sicht der DSV bieten harmonisierte
und ambitionierte europäische Regelungen die Chance, den Einstieg insbesondere
junger Menschen in den Nikotinkonsum wirksamer zu verhindern und bestehende Regulierungslücken
zu schließen. Die DSV spricht sich daher unter anderem für ein Verbot
aromatisierter Tabak- und Nikotinprodukte aus. Zudem fordert sie ein
umfassendes EU-weites Werbe- und Promotionsverbot einschließlich sozialer
Medien und des Verkaufsorts sowie die Einführung einheitlicher neutraler
Verpackungen („Plain Packaging“) für sämtliche Tabak- und Nikotinprodukte.
Ausblick
Die Erfahrungen
mit der Tabaksteuerrichtlinie zeigen, dass die europäische Tabakgesetzgebung
politisch heikel bleibt. Wann und in welcher Form die Kommission ihre
Vorschläge tatsächlich vorlegen wird und wie sich anschließend die Mehrheiten
im Rat und im Europäischen Parlament entwickeln, bleibt daher abzuwarten. Fest
steht jedoch bereits jetzt, dass die Debatte über die Regulierung von Tabak-
und Nikotinprodukten die europäische Gesundheitspolitik auch in den kommenden
Jahren beschäftigen wird.