Kommission veröffentlicht Bericht zum Stand der Digitalen Dekade.

OM – 07/2026

Mitte Juni ist der vierte Bericht zum Stand der Digitalen Dekade für das Jahr 2026 erschienen. Er wird ergänzt durch einen Anhang mit querschnittlichen Empfehlungen sowie länderspezifischen Berichten. Dieses Jahr geht der Bericht über eine reine Bestandsaufnahme hinaus: Er skizziert vorrangige Reformen und Investitionen auf EU- sowie auf Ebene der Mitgliedstaaten, die die Ausrichtung der digitalen Fördermittel im nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der EU bestimmen sollen.


Das Politikprogramm für die Digitale Dekade aus dem Jahr 2021 bildet den Rahmen für den digitalen Wandel in der Europäischen Union (EU). Es legt Ziele bis zum Jahr 2030 in vier zentralen Bereichen fest: digitale Kompetenzen, der digitale Wandel von Unternehmen, eine sichere und nachhaltige digitale Infrastruktur sowie die Digitalisierung öffentlicher Dienste.

Bisherige Fortschritte

Die EU hat bei ihrer digitalen Transformation weitere Fortschritte erzielt. Die digitale Infrastruktur verbessert sich kontinuierlich: Die grundlegende 5G-Abdeckung erreicht inzwischen 96,8 Prozent der Haushalte. Auch die Nutzung digitaler Technologien durch Unternehmen nimmt zu: Im Jahr 2026 setzen 46,7 Prozent der Unternehmen Cloud-Computing, 39,9 Prozent Datenanalysen und nahezu 20 Prozent Künstliche Intelligenz (KI) ein. Besonders dynamisch entwickelt sich die Verbreitung von KI, deren Einsatz 2025 gegenüber dem Vorjahr um 48 Prozent gestiegen ist. Zudem verfügen inzwischen mehr als 60 Prozent der Europäerinnen und Europäer über grundlegende digitale Kompetenzen. Beim Ausbau von Edge-Knoten werden die angestrebten Ziele voraussichtlich sogar vorzeitig erreicht.

Verbleibende Lücken

Gleichzeitig bestehen weiterhin erhebliche Defizite. Der Ausbau von Glasfaseranschlüssen bis in die Gebäude sowie anderer Hochleistungsnetze muss deutlich beschleunigt werden. Im Bereich der technologischen Souveränität hält die EU lediglich neun Prozent des weltweiten Halbleitermarktes und verfehlt damit das Ziel eines Marktanteils von 20 Prozent bis 2030 deutlich.


Zudem bestehen nach wie vor starke Abhängigkeiten von Anbietern außerhalb der EU, insbesondere bei Cloud-Diensten, Cybersicherheit und anderen strategischen Schlüsseltechnologien. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stoßen weiterhin auf Hindernisse beim Einsatz digitaler Technologien. Ursachen sind insbesondere fehlende Kompetenzen, ein begrenzter Zugang zu Daten sowie unzureichende Infrastruktur und Ressourcen. Trotz der Fortschritte machen IT-Fachkräfte im Jahr 2025 lediglich fünf Prozent der Beschäftigten aus und erreichen damit erst die Hälfte des für 2030 angestrebten Anteils von zehn Prozent; Frauen sind mit weniger als 20 Prozent weiterhin deutlich unterrepräsentiert.


Gleichzeitig gerät die gesamte Rechenkapazität angesichts der wachsenden Nachfrage – insbesondere durch KI-Anwendungen – zunehmend unter Druck. Darüber hinaus verstärkt die digitale Transformation gesellschaftliche Herausforderungen: Eine große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger betrachtet den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet, die Bekämpfung von Online-Manipulation, Desinformation, Deepfakes und KI-generierten Inhalten sowie eine sorgfältige Regulierung Künstlicher Intelligenz als zentrale Handlungsfelder.

Bedeutung für die deutschen Sozialversicherungen

Die deutschen Sozialversicherungen haben bei der Digitalisierung bereits Fortschritte erzielt. So unterstützen beispielsweise die Deutsche Rentenversicherung und Teile der gesetzlichen Krankenversicherung die Nutzung der elektronischen Identität (eID) für digitale Dienstleistungen. Nach Auffassung der Europäischen Kommission besteht jedoch weiterer Handlungsbedarf. Die flächendeckende Bereitstellung digitaler Verwaltungsleistungen soll beschleunigt, die Nutzung der eID ausgeweitet sowie die Interoperabilität und Vernetzung der IT-Systeme verbessert werden, um durchgängig digitale und effizientere Verwaltungsprozesse zu ermöglichen.

Ausblick

Um die Fortschritte bei den Zielen der Digitalen Dekade 2030 fortzusetzen, fordert die Europäische Kommission die Mitgliedstaaten auf, ihre nationalen Fahrpläne mit konkreten und finanziell abgesicherten Maßnahmen zu aktualisieren. Künftige Investitionen im digitalen Bereich sollten stärker an den strategischen Prioritäten Europas ausgerichtet werden. Dies soll unter anderem durch den nächsten MFR, die Vorbereitung nationaler und regionaler Partnerschaftspläne sowie den künftigen EU-Wettbewerbsfonds erfolgen. Zudem wird die Kommission 2027 die Ziele des Programms für die Digitale Dekade überprüfen, um sie an neue gesetzliche Rahmenbedingungen, technologische Entwicklungen und langfristige europäische Prioritäten anzupassen.