Langfristprojektionen des finnischen Rentenzentrums

VS – 07/2026

Die langfristigen Finanzierungsaussichten der finnischen gesetzlichen Rentenversicherung haben sich verbessert. Nach den aktuellen Langfristprojektionen des Finnischen Zentrums für Renten ist dafür vor allem die Rentenreform 2025 verantwortlich, die den Kapitalanlagen künftig eine größere Rolle bei der Finanzierung der Renten einräumt. Anders als in früheren Projektionen sehen die Autorinnen und Autoren derzeit keinen unmittelbaren Bedarf für weitere Beitragssatzerhöhungen. Die Entwicklungen sind auch für die deutsche Rentendebatte von Bedeutung. Die Alterssicherungskommission, die die Bundesregierung zur Entwicklung langfristiger Reformvorschläge für die Alterssicherung eingesetzt hat, hat empfohlen, die gesetzliche Rentenversicherung um eine obligatorische kapitalgedeckte Rentenkomponente („gesetzliche Kapitalrente“) zu ergänzen. Ziel ist es, die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung langfristig zu stabilisieren und Kapitalerträge stärker für die Alterssicherung zu nutzen.

Reform erhöht Bedeutung der Kapitalanlagen

Die einkommensabhängigen Renten im Privatsektor (TyEL) in Finnland werden durch Rentenbeiträge von Arbeitgebern und Beschäftigten finanziert. Ein kleiner Teil wird durch die Anlageerträge der Kapitalrücklagen der Rentenversicherung gedeckt. In den vergangenen Jahren hat die TyEL erhebliche Rücklagen aufgebaut. Im Jahr 2025 beliefen sich diese auf rund 290 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa dem finnischen Bruttoinlandsprodukt. Mit der Rentenreform 2025 wurden die Anlagebestimmungen für die Kapitalrücklage gelockert, um langfristig die Rendite zu erhöhen. Dafür werden bewusst höhere Anlagerisiken und stärkere Schwankungen der Kapitalerträge in Kauf genommen. Zugleich gewinnen die Erträge aus den Kapitalanlagen künftig deutlich an Bedeutung für die Entwicklung des Beitragssatzes.

Beitragssatz bleibt stabil

Die verbesserte Finanzierungsperspektive spiegelt sich aktuellen Projektionen der TyEL zufolge auch in der Entwicklung des Beitragssatzes wider, der sich im Vergleich zu den Berechnungen aus dem Jahr 2022 verbessert hat.

Der durchschnittliche Beitragssatz in der privaten gesetzlichen Rentenversicherung ist bis 2030 auf 24,4 Prozent der Lohnsumme festgelegt. Im Basisszenario sinkt der Beitragssatz anschließend bis in die 2040er Jahre auf etwa 22 Prozent, um dann ab der Mitte des Jahrhunderts wieder anzusteigen. Neben der Reform berücksichtigen die Projektionen auch aktualisierte Annahme zur Bevölkerungsentwicklung. Sie gehen von einer höheren Zuwanderung und einer dauerhaft niedrigeren Geburtenrate aus.

Kapialstock könnte auf 1,3 Billionen Euro wachsen

Die günstige Entwicklung setzt allerdings voraus, dass langfristig reale Kapitalerträge von zunächst 3,2 Prozent und später 3,75 Prozent jährlich erzielt werden. Unter diesen Annahmen könnte der Kapitalstock – zu heutigen Preisen – von gegenwärtig 290 Milliarden Euro auf rund 1,3 Billionen Euro anwachsen. Gemessen an den jährlichen Rentenausgaben würde sich das Vermögen damit nahezu verdoppeln. Dies verdeutlicht die zunehmende Bedeutung kapitalgedeckter Elemente für die langfristige Finanzierung des Systems.

Höhere Ertragschancen gehen mit größeren Risiken einher

Aus den Langfristprojektionen geht aber auch hervor, dass eine stärkere Kapitalanlage zwar höhere Ertragschancen, aber auch größere Unsicherheiten für die künftige Beitragsentwicklung mit sich bringt. Das Finnische Zentrum für Renten betont, dass dadurch auch die langfristigen Rentenprojektionen unsicherer werden. Um dies aufzufangen, plädiert das Rentenzentrum für konservative Annahmen zur zukünftigen Kapitalrendite.