Gute Verwaltung stärkt Vertrauen.

VS – 07/2026

Das Vertrauen in Regierungen bleibt in den OECD-Mitgliedstaaten insgesamt auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Gleichzeitig zeigt die von der OECD am 29. Juni veröffentlichte Vertrauensstudie 2026, dass positive Erfahrungen mit öffentlichen Dienstleistungen das Vertrauen in staatliche Institutionen deutlich stärken können. Die Studie macht deutlich, dass die Qualität des Verwaltungshandelns ein wichtiger Faktor für die Akzeptanz staatlicher Institutionen ist.

Die OECD untersucht seit 2021 regelmäßig, wie Bürgerinnen und Bürger verschiedene öffentliche Institutionen in ihrem Land wahrnehmen und inwieweit sie ihrer Regierung vertrauen. Neben dem allgemeinen Vertrauen analysiert die Studie, welche Faktoren dieses Vertrauen beeinflussen – von alltäglichen Behördenerfahrungen bis zur Bewertung politischer Entscheidungen in komplexen Politikfeldern.

EU-weit Unterschiede im Vertrauen zu Regierungen

OECD-weit hat sich das allgemeine Vertrauen in die nationale Regierung bei rund 40 Prozent stabilisiert. In Deutschland liegt der Anteil mit 35 Prozent darunter. In der Europäischen Union (EU) bringen die Bürgerinnen und Bürger in den nordischen Ländern sowie in Belgien, Irland, Portugal und Spanien den öffentlichen Institutionen ein vergleichsweise hohes Vertrauen entgegen. Besonders gering ist es hingegen in Frankreich, Griechenland und der Slowakei. Generell genießen Institutionen der öffentlichen Verwaltung mehr Vertrauen als politische Institutionen. So vertrauen OECD-weit 46 Prozent der Bevölkerung dem öffentlichen Dienst, zu dem auch die Sozialversicherungsträger zählen. In Deutschland liegt der Wert mit 49 Prozent etwas höher.

Alltagserfahrungen prägen das Vertrauen

Erwartungen und Wahrnehmungen hinsichtlich öffentlicher Dienstleistungen und den täglichen Umgang mit Behörden spielen hinsichtlich des Vertrauens beim öffentlichen Dienst und der Kommunalverwaltung eine weitaus größere Rolle als bei der nationalen Regierung. Deutschland schneidet bei mehreren Aspekten besser als der OECD-Durchschnitt ab. Hierzu zählen der Zugang zu Sozialleistungen wie Rentenzahlungen oder Arbeitslosengeld, die Fehlertoleranz bei der Antragsstellung und die faire Prüfung von Leistungsanträgen. Unter den Personen, die in jüngster Zeit Dienstleistungen in Anspruch genommen haben, sind 65 Prozent in der gesamten OECD und 52 Prozent in Deutschland mit den Verwaltungsdienstleistungen zufrieden – ein wichtiger Faktor für das Vertrauen in öffentliche Institutionen auf allen Ebenen.

Regierungshandeln wird kritischer bewertet

Während viele Menschen den Kontakt mit Behörden positiv beurteilen, fällt ihre Bewertung des Regierungshandelns bei komplexen und langfristigen politischen Fragen deutlich kritischer aus. Positiv wird das Regierungshandeln insbesondere dann bewertet, wenn politische Entscheidungen nachvollziehbar sind, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, den Präferenzen der Bevölkerung Rechnung tragen und die Interessen heutiger und künftiger Generationen in Einklang bringen. Diese Faktoren sind über alle OECD-Mitgliedstaaten sehr ähnlich.

Mehrheit steht KI im öffentlichen Sektor skeptisch gegenüber

Die aktuelle Vertrauensstudie liefert erstmals Erkenntnisse über den Bekanntheitsgrad Künstlicher Intelligenz (KI) sowie über die Erwartungen der Öffentlichkeit hinsichtlich ihrer potenziellen Vorteile im öffentlichen Sektor. Dabei stehen 60 Prozent der Befragten in den OECD-Mitgliedstaaten und 55 Prozent der Befragten in Deutschland dem Einsatz von KI in staatlichen Institutionen und der Sozialversicherung skeptisch gegenüber. Gleichwohl stehen die Menschen in Deutschland – ebenso wie in den meisten EU-Mitgliedstaaten – dem potenziellen Einsatz von KI durch Behörden in allen abgefragten Bereichen positiver gegenüber als im OECD-Durchschnitt.