KhunkornBetriebsrenten im Fokus
EU-Abgeordnete diskutieren über neue Regeln für die betriebliche Altersvorsorge.
OM – 09/2026
Der Ausschuss für Wirtschaft
und Währung (ECON) des Europäischen Parlaments hat sich Anfang September erneut
mit der geplanten Überarbeitung der europäischen Regeln für die betriebliche
Altersvorsorge (EbAV-II-Revision) befasst. Im Mittelpunkt standen die Änderungsanträge der
Fraktionen zum Vorschlag der
Europäischen Kommission.
Vor dem Hintergrund des
demografischen Wandels und des wachsenden Drucks auf die Rentensysteme möchte
die Kommission die betriebliche Altersvorsorge in Europa stärken. Sie soll dazu
beitragen, die Alterseinkommen der Bürgerinnen und Bürger breiter abzusichern.
Gleichzeitig soll das angesparte Kapital stärker für Investitionen in die
europäische Wirtschaft mobilisiert werden und so auch Wachstum und Innovation
fördern.
Wie die neuen Regeln konkret
ausgestaltet werden sollen, wird im Parlament allerdings unterschiedlich
bewertet.
Nationale Systeme sollen berücksichtigt werden
Über alle Fraktionen hinweg bestand
Einigkeit darüber, dass die Rolle der Mitgliedstaaten bei der
Altersvorsorgepolitik gewahrt werden muss. Berichterstatter Damian Boeselager
(Greens/DE) betonte dabei, dass die gesetzliche Altersvorsorge nicht durch die
betriebliche Altersvorsorge ersetzt werden könne und solle. Die Fraktionen
sprachen sich zudem dafür aus, dass funktionierende nationale Systeme der
betrieblichen Altersvorsorge nicht untergraben werden dürfen.
Unterschiedliche Auffassungen
gab es hingegen darüber, wie weit gemeinsame europäische Vorgaben reichen
sollten. Die Schattenberichterstatterin Anouk van Brug (Renew/NL) und der
Schattenberichterstatter Adnan Dibrani (S&D/SE) unterstützten ein
Mindestmaß an gemeinsamen Regeln bei gleichzeitig ausreichender nationaler
Flexibilität. Dibrani betonte dabei vor allem die Bedeutung von Transparenz, um
das Vertrauen der Versicherten zu stärken. Der Schattenberichterstatter Dirk
Gotink (EPP/NL) sprach sich dagegen dafür aus, gut funktionierende nationale
Systeme nicht zu harmonisieren.
Unterschiedliche Positionen bei der Kapitalanlage
Unterschiedliche Positionen
zeigten sich auch bei der Frage, wie das Kapital der betrieblichen
Altersvorsorge künftig angelegt werden soll. Dabei ging es insbesondere darum,
wie sich Investitionen in risikoreichere Anlageformen mit dem Ziel einer
langfristig stabilen Wertentwicklung im Interesse der Versicherten vereinbaren
lassen.
Dirk Gotink und Adnan Dibrani
lehnten verpflichtende Investitionen in Risikokapital ab und stellten die
Interessen der Versicherten in den Mittelpunkt. Gotink wies darauf hin, dass
Rentenfonds bereits heute große Investoren in nachhaltige und innovative
Branchen seien und nicht für die Schließung der europäischen Investitionslücke
verantwortlich gemacht werden könnten.
Damian Boeselager betonte
dagegen, dass Investitionen in innovative Unternehmen Teil einer breiten
Streuung der Anlagen sein könnten. Eine solche Diversifizierung könne seiner
Ansicht nach zu einer stabileren Wertentwicklung für die Sparenden beitragen.
Wie geht es weiter?
Auf Grundlage der Änderungsanträge wird der Berichterstatter Damian Boeselager nun mit den Schattenberichterstatterinnen und -erstattern der Fraktionen über einen gemeinsamen Text verhandeln. Über diesen soll voraussichtlich am 15. Oktober im ECON-Ausschuss abgestimmt werden.