Getty Images - AndreyPopovGeschlechtsspezifische Ungleichheiten
Europäisches Parlament fordert mehr Gleichberechtigung im Gesundheitswesen.
CC – 09/2026
Das Europäische
Parlament hat am 16. September eine Entschließung zu geschlechtsspezifischen Ungleichheiten im Gesundheitswesen angenommen. Es
fordert unter anderem eine europäische Strategie für Frauengesundheit und eine
stärkere Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede in Forschung,
Prävention und Versorgung. Hintergrund ist, dass eine gleichberechtigte
Gesundheitsversorgung nicht immer bedeutet, alle Menschen gleich zu behandeln.
Unterschiede zwischen den Geschlechtern können sich beispielsweise auf
Krankheitsrisiken, Symptome oder die Wirkung von Arzneimitteln auswirken.
Unterschiede in Forschung und Versorgung stärker berücksichtigen
In ihrer Rede
zur Lage der Union im Europäischen Parlament in Straßburg erinnerte
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an die Fortschritte bei den Rechten
von Frauen: „We have fought so hard for equal treatment, equal opportunities,
equal pay.“ Am selben Tag rückte das Europäische Parlament mit seiner
Entschließung die Gleichstellung im Gesundheitswesen in den Fokus.
Warum eine
stärkere Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede notwendig ist,
zeigen zahlreiche Beispiele: Herzinfarkte und Schlaganfälle können sich bei
Frauen anders äußern, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestehen teilweise andere
Risikofaktoren und Arzneimittel können aufgrund unterschiedlicher
Stoffwechselprozesse anders wirken. Hinzu kommen spezifische gesundheitliche
Bedürfnisse im Zusammenhang mit Menstruation, Schwangerschaft, Geburt,
Menopause und reproduktiver Gesundheit sowie Erkrankungen wie Endometriose.
Das Parlament
fordert deshalb, geschlechtsspezifische Unterschiede stärker in den Mittelpunkt
von Forschung, Prävention und Versorgung zu rücken. „Equal health“ könnte von
der Leyen ihrer Aufzählung von „equal treatment, equal opportunities, equal
pay“ daher noch hinzufügen.
Einzelne Forderungen politisch umstritten
Der irische
Abgeordnete und Berichterstatter Billy Kelleher (Renew, IE) warb im Plenum für
eine patientenzentrierte Gesundheitsversorgung, die auf umfassender Forschung
und gezielten Ansätzen beruht. Im Mittelpunkt soll dabei die gesundheitliche
Gleichstellung stehen.
Eine Reihe
getrennter Abstimmungen, sogenannter „Split Votes“, zeigte, welche Punkte
politisch umstritten waren. Eine Mehrheit fand sich dennoch für die meisten
zentralen Aussagen, darunter der intersektionale Ansatz zur Frauengesundheit
und die Einbeziehung transgeschlechtlicher, nichtbinärer, intergeschlechtlicher
und genderdiverser Personen.
Besonders knapp angenommen wurde mit 311 zu 309
Stimmen der Hinweis auf den begrenzten Zugang zu medizinischer Versorgung im
Zusammenhang mit einer Geschlechtsangleichung. Auch die
Passagen zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit blieben weitgehend
erhalten. Das Parlament unterstützt zudem mehrheitlich die Bürgerinitiative „My
Voice, My Choice“ und die Forderung, das Recht auf einen sicheren und legalen
Schwangerschaftsabbruch in der EU-Grundrechtecharta zu verankern.
Keine Mehrheit
fanden dagegen mehrere verbindliche Vorgaben, verpflichtende Schulungen von
Gesundheitspersonal und die ausdrückliche Forderung nach zusätzlichen
Haushaltsmitteln. Die politische Stoßrichtung des bereits am 23. Juni im
Ausschuss für die Rechte der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter
(FEMM) angenommenen Berichts blieb damit erhalten.