iAaki antoAana plazaNormung
Europäische Kommission will das europäische Normungssystem agiler und inklusiver gestalten.
SK – 10/2026
Am 6. Oktober hat die Europäische
Kommission ihren Vorschlag
zur Überarbeitung des europäischen Normungssystems vorgelegt. Die Reform
soll die seit 2013 geltende Normungsverordnung ersetzen. Künftig sollen harmonisierte
europäische Normen kostenlos zugänglich sein und schneller entwickelt werden.
Gleichzeitig soll die Normung flexibler gestaltet werden und die Aufsicht auf
EU-Ebene gestärkt werden. Nach Schätzungen der Europäischen Kommission könnte
sich die durchschnittliche Entwicklungszeit harmonisierter Normen dadurch von
sechs auf vier Jahre verkürzen.
Mehr Flexibilität in der Normung
Die europäischen
Normungsorganisationen CEN (Europäisches Komitee für Normung), CENELEC
(Europäisches Komitee für elektrotechnische Normung) und ETSI (Europäisches
Institut für Telekommunikationsnormen) sollen weiterhin eine zentrale Rolle
spielen. Unter bestimmten Voraussetzungen könnte die Europäische Kommission
jedoch auch andere, von ihr benannte Normungsorganisationen beauftragen. Dies
wäre beispielsweise möglich, wenn die europäischen Normungsorganisationen einen
Normungsauftrag nicht annehmen oder die angeforderten Normen nicht fristgerecht
oder in der erforderlichen Qualität vorlegen.
Zudem soll der Vorschlag die Möglichkeit
schaffen, gemeinsame Spezifikationen festzulegen. Dabei handelt es sich um
technische Vorgaben, die unter bestimmten Voraussetzungen als Alternative zu
bestimmten harmonisierten Normen dienen können. Diese sind bislang unter
anderem als Option in der KI-Verordnung vorgesehen, wurden jedoch bis jetzt
noch nicht genutzt. Durch ihre Aufnahme in die Normungsverordnung könnte die
Europäische Kommission unter bestimmten Voraussetzungen selbst technische Vorgaben
festlegen. Dies wäre dann möglich, wenn Normungsaufträge nicht angenommen
werden oder geeignete harmonisierte Normen nicht rechtzeitig vorliegen.
Beteiligung, Transparenz und freier Zugang zu Normen
Eine neue EU-Normenplattform soll
Informationen zu Normen, Zugangsmöglichkeiten, Normungsaufträgen und zur
Leistungsfähigkeit des Systems bündeln. Gemeinsam mit den jährlich
veröffentlichten Arbeitsprogrammen soll sie für mehr Transparenz sorgen.
Darüber hinaus möchte die Europäische
Kommission sicherstellen, dass harmonisierte Normen sowie weitere Normen und
Normungsdokumente, auf die im EU-Amtsblatt verwiesen wird, vollständig und kostenlos
online zugänglich sind. Die Texte sollen in einem lesbaren, durchsuchbaren,
druckbaren und elektronisch zugänglichen Format bereitgestellt werden.
Auch die Beteiligung an der
Normung auf nationaler Ebene soll verbessert werden. Nationale Normungsgremien
sollen insbesondere Verbraucherinnen und Verbrauchern, Behörden, kleinen und
mittleren Unternehmen, Forschenden sowie Akteuren aus den Bereichen Umwelt und
Soziales den Zugang erleichtern. Vorgesehen sind unter anderem eine Teilnahme
ohne verpflichtende Mitgliedschaft, kostenlose oder ermäßigte Teilnahmegebühren
sowie ein kostenloser Zugang zu Normenentwürfen und Arbeitsergebnissen.
Beratungen im Europäischen Parlament und Rat
Am 15. Oktober veranstaltete der
Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO) des Europäischen
Parlaments eine Anhörung zur europäischen Produktgesetzgebung. Fachleute der Europäischen
Kommission, der Mitgliedstaaten, der Normungsorganisationen sowie Vertreterinnen
und Vertreter von Verbraucher- und Unternehmensverbänden diskutierten mit den
Abgeordneten über die Reform der Normungsverordnung und das geplante
Europäische Produktgesetz.
Im Mittelpunkt standen unter
anderem die Vorschläge für mehr Flexibilität und eine schnellere Erarbeitung
europäischer Normen. Wer im IMCO die Berichterstattung übernimmt, wurde bislang
nicht bekannt gegeben. Im Rat hat sich die Arbeitsgruppe „Technische
Harmonisierung“ am 19. Oktober erstmals mit dem Kommissionsvorschlag befasst.