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EU-Kommission legt Impfempfehlung vor

Mitgliedstaaten sollen im Kampf gegen vermeidbare Krankheiten intensiver zusammenarbeiten.

CM/MS – 05/2018

Die EU-Kommission hat angesichts vermehrter „Fake News“ und wachsender Impfskepsis eine Reihe von Empfehlungen vorgelegt, wie die EU-weite Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von vermeidbaren Krankheiten gestärkt werden soll. 

20 Maßnahmen gegen Impfmüdigkeit

Der Vorschlag der Kommission setzt drei Handlungsschwerpunkte:  

 

1. Bekämpfung der Impfskepsis und Erhöhung der Durchimpfungsraten; 

2. Nachhaltige Impfstrategien in der EU und 

3. EU-weite Koordinierung sowie Beitrag der EU zur globalen Gesundheit.  

 

Die Kommission schlägt den EU-Staaten in dem Papier 20 konkrete Maßnahmen vor, darunter die Einrichtung eines europäischen Informationsportals zum Thema Impfungen bis 2019, auf dem die aktuellen Erkenntnisse über Nutzen und Sicherheit von Impfstoffen objektiv und transparent dargelegt werden. Weiterhin empfiehlt sie die Aufstellung und Umsetzung nationaler und/oder regionaler Impfpläne bis zum Jahr 2020 mit dem Ziel, dass mindestens 95% der Bevölkerung gegen Masern geimpft sind.  

 

Außerdem sieht der Vorschlag die Einrichtung eines EU-weiten Data-Warehouse (virtuelles Register) mit Daten zu Impfstoffbeständen und -bedarf zwecks Senkung des Risikos von Versorgungsengpässen vor. Das Register soll den freiwilligen Austausch über die verfügbaren Bestände sowie Engpässe bei den wichtigsten Impfstoffen ermöglichen. Ein weiterer wichtiger Punkt sei die adäquate Schulung aller im Gesundheitsbereich Beschäftigten, damit sie fachkundig Impfungen verabreichen und kompetent mit Impfskepsis umgehen können. 

Infektionskrankheiten machen nicht an Landesgrenzen halt

Derzeit sind mehrere EU-Mitgliedstaaten und Nachbarländer mit vermeidbaren großflächigen Masernausbrüchen konfrontiert. In den letzten zwei Jahren starben 50 Menschen an Masern und Diphterie. „Infektionskrankheiten machen nicht an Landesgrenzen halt“, so der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis. Laut der Empfehlung bestehe das Risiko der Wiedereinschleppung von Polioviren und gefährde den derzeitigen poliofreien Status der EU. 

Lebensretter Impfung

Impfungen seien laut Kommission eine der wirksamsten und kostengünstigsten Präventionsmaßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die im 20. Jahrhundert entwickelt wurden. Impfung hat zur Ausrottung von Pocken und zur annähernden Beseitigung von Polio geführt. Durch Impfungen können jedes Jahr weltweit zwischen 1 und 3 Millionen Leben gerettet werden. Sie beugen Krankheiten vor, verhindern Behinderungen und steigern die wirtschaftliche und soziale Produktivität. Die Impfung gegen die saisonale Grippe verhindere jährlich bis zu 37.000 Tote in der EU. Trotzdem würde die entsprechende Durchimpfungsrate in den meisten EU-Ländern deutlich unter dem für ältere Menschen festgelegten Ziel von 75% liegen (Empfehlung des Rates zur Impfung gegen die saisonale Grippe, 2009). 

„Vermeidbare Todesfälle dürfe es in Europa nicht geben“

In seiner Rede zur Lage der Union 2017 erklärte Präsident Juncker, dass es in einer Union der Gleichberechtigten keine Bürger zweiter Klasse geben könne. Es sei nicht hinnehmbar, dass auch 2017 noch Kinder an Krankheiten sterben, die in Europa schon längst ausgerottet sein müssten. Vermeidbare Todesfälle, so Jean-Claude Juncker, dürfe es in Europa nicht geben. An die Mitgliedstaaten erging der Appell, die Durchimpfungsrate zu erhöhen und sicherzustellen, dass alle Menschen in der EU Zugang zu Impfungen haben. 

GKV-Spitzenverband beteiligte sich an Konsultation

Dem Vorschlag für diese Empfehlung ging eine Konsultation im Februar 2018 voraus, in deren Rahmen die Meinung von Verwaltungen, Verbänden und anderen Organisationen sowie von EU-Bürgerinnen und -Bürgern zur „Verstärkten Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von durch Impfung vermeidbaren Krankheiten“ eingeholt wurde. Der GKV-Spitzenverband hat in seiner Stellungnahme die Verantwortung bei den Mitgliedstaaten verortet, wenn es darum geht, mit Maßnahmen der Impfskepsis im jeweiligen Land zu begegnen. 

Informationen der EU-Kommission

Die Empfehlungen und weitere Informationen zu Impfungen erhalten Sie auf den Webseiten der EU-Kommission (nur in englischer Sprache verfügbar).