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Lebenslanges Lernen - eine Grundlage des digitalen Wandels

Europa wächst und lernt digital

KB/SW – 10/2018

Der Erwerb fortgeschrittener digitaler Kompetenzen ist Inhalt des Programms „Digitales Europa“, welches am 06. Juni 2018 von der EU-Kommission vorgeschlagen wurde und im Fond ESF+ integriert werden soll. Es sieht lang- und kurzfristige Schulungen, Praktika am Arbeitsplatz, Unterstützungen von Unternehmen und Verwaltungen durch gezielte Programme der Vermittlung von fortgeschrittenen Kompetenzen im Umgang mit Hochleistungsrechnern, der künstlichen Intelligenz und der Cybersicherheit vor.  

Bereits in der im Mai 2010 gestarteten Digitalen Agenda für Europa wurden die Probleme der Digitalisierung der Wirtschaft und der Gesellschaft in der Europäischen Union benannt und verschiedene zu entwickelnde Bereiche wie bessere Internetanbindung, die Entwicklung künstlicher Intelligenz, die Verbreitung der Hochgeschwindigkeitsbreitbandtechnik, die Förderung des digitalen Binnenmarktes aber auch die Steigerung digitaler Kompetenzen festgelegt. Die Umsetzung in der EU wird im Fortschrittsanzeiger zur Digitalen Agenda (Digital Transformation Scoreboard) überprüft und regelmäßig veröffentlicht. 

Am 14. November 2017 schlug die Europäische Kommission in Ihrer Mitteilung „Stärkung der europäischen Identität durch Bildung und Kultur“ außerdem die Schaffung eines europäischen Bildungsraumes vor. Auch in diesem Papier wird dem Thema „lebenslanges Lernen und digitale Bildung“ eine zentrale Bedeutung beigemessen, insbesondere, da 44% der EU-Bevölkerung nur über geringe digitale Kompetenzen verfügt. 

Dementsprechend sieht auch die Österreichische Ratspräsidentschaft das Thema Bildung in Ihrem Programm als eines Ihrer zentralen Themen an. 

Nutzen für die Gesundheits- und Sozialsysteme

Die Chancen der Digitalisierung sollten auch in Bezug auf die Gesundheits- und Sozialsysteme genutzt werden. Durch die Bereitstellung von Informations- und Kommunikationstechnologien können die Menschen zukünftig ihre Gesundheit besser überwachen und erhalten. Altenpflegeroboter können Seniorinnen und Senioren bei täglichen Aufgaben im Haushalt helfen und Alarm auslösen, wenn Personen gestürzt sind. 3D-Drucker können passgenaue Implantate erstellen und künftig eventuell Organe oder Zellen ersetzen. Personenzentrierte Technologien unterstützen die Teilhabe behinderter Menschen im Alltagsleben. Elektronische Gesundheitsdienste sorgen dafür, dass Gesundheitsleistungen in den alternden Gesellschaften für alle bezahlbar bleiben. 

Voraussetzung ist aber nicht nur die Einführung dieser Technologien, sondern auch die lebenslange Vermittlung von aktuellem digitalem Wissen. Andernfalls wäre ein Teil der Bevölkerung nicht dazu in der Lage, die neuen Formen der Gesundheitsdienste oder neue Technologien im Gesundheitsbereich zu nutzen. Der Rat kommt in seinen Schlussfolgerungen zum „Gesundheitswesen in der digitalen Gesellschaft – Fortschritte bei der datengesteuerten Innovation im Gesundheitswesen“ zu dem Ergebnis einer Notwendigkeit von Maßnahmen zur Verbesserung der digitalen Kompetenzen der Bürgerinnen und Bürger und der Einbeziehung von Akteuren wie Investitionspartnerschaften im Bereich „Aktivität und Gesundheit im Alter“. 

Der Erwerb und das lebenslange Training digitaler Kompetenzen ist auch eine Grundvoraussetzung, um im digitalen Arbeitsleben und seinen neuen Arbeitsformen bestehen zu können. Laut dem Fortschrittsanzeiger zur Digitalen Agenda fehlten 35% der Arbeitnehmer bis 2017 EU-weit die erforderlichen digitalen Kompetenzen und 17% der Europäer hatten das Internet noch nie genutzt. Das Fehlen dieser Kompetenzen kann jedoch zum Verlust des Arbeitsplatzes, der Inanspruchnahme von Sozialleistungen und damit massiven Belastungen der Sozialkassen führen. 

Im EU-Vergleich verfügen die Bürgerinnen und Bürger Europas über ein höchst unterschiedliches Niveau an digitalen Kompetenzen. Irland, die Niederlande und Schweden weisen hier laut dem Fortschrittsanzeiger zur Digitalen Agenda die höchsten Werte auf, während Deutschland im Vergleich zum Vorjahr auf den vierzehnten Rang des EU-Ländervergleiches abgestiegen ist und nur noch im Mittelfeld rangiert. Das Schlusslicht bilden Lettland, die Slowakei und Rumänien. Die Länder mit den höchsten digitalen Kompetenzen weisen gleichzeitig auch die höchsten Nutzungsraten digitaler Technologien auf. 

Um eine einheitlichere Entwicklung zu erreichen, muss die Kluft bei den digitalen Kompetenzen in Europa überwunden werden. Dies kann nur mit ständiger digitaler Weiterbildung erreicht werden. Weiterbildung und lebenslanges digitales Lernen bleiben deshalb in der EU ein wichtiges Erfordernis und müssen fester Bestandteil des Arbeitslebens werden. Staatliche Institutionen, die Unternehmen und die Bürgerinnen und Bürger selbst müssen diesen Prozess aktiv gestalten. Die EU bietet hierzu viele unterstützende Programme an. Neben diversen anderen Initiativen sollen auch der Fond ESF+ und das Programm Erasmus+ die Qualität der allgemeinen und beruflichen Bildung erhöhen und den Bürgerinnen und Bürgern der EU dabei helfen, die von der Industrie geforderten digitalen Kompetenzen zu erwerben. 

Der ESF+ wird hierbei mit anderen Fonds zusammenarbeiten, um größere Flexibilität und Synergieeffekte zu erreichen. Für den Zeitraum 2021 – 2027 schlägt die Kommission vor, dem ESF+ 101,2 Mrd. Euro aus dem EU-Haushalt zuzuweisen. Die konkrete Ausgestaltung und Nutzung der Finanzmittel des ESF+ obliegt hierbei den einzelnen Mitgliedstaaten. 

Hintergrund

Die Europäische Kommission hat bereits am 30. Mai 2018 einen Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die Einführung des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) veröffentlicht. Dieser wird aktuell in den zuständigen Ausschüssen des Europäischen Parlaments diskutiert. 

Hintergrund des Vorschlages ist die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft und die Gewährleistung eines hohen Niveaus der allgemeinen und beruflichen Bildung, der Gesundheitsversorgung, der sozialen Eingliederung sowie der aktiven Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger an der Gesellschaft. Mit der Einführung des Fonds ab 01. Januar 2021 sollen die Mitgliedsländer der EU befähigt werden, Probleme beim Fachkräftemangel, Leistungsmängeln in der Arbeitsmarktpolitik und den Bildungssystemen, der Einführung moderner Technologien und neuer Arbeitsformen, der sozialen Ausgrenzung von Randgruppen und der geringen Arbeitskräftemobilität zu begegnen. 

Das übergeordnete politische Ziel des Vorschlages besteht in der Umsetzung der Ziele der europäischen Säule sozialer Rechte und soll nachhaltiges, inklusives Wachstum im EU-Raum fördern. 

 

Der ESF+ wird hierbei in 3 Hauptbereiche investieren: 1. allgemeine und berufliche Bildung sowie lebenslanges Lernen; 2. Wirksamkeit der Arbeitsmärkte und gleicher Zugang zu hochwertigen Arbeitsplätzen und 3. Soziale Inklusion, Gesundheit und Bekämpfung von Armut.