Mit vier Milliarden Euro gegen den Krebs

Kurz vor dem Weltkrebstag ist Europas Plan gegen den Krebs vorgestellt worden.

UM – 02/2021

Am 3. Februar hat die Europäische Kommission ihren Aktionsplan gegen den Krebs der Öffentlichkeit präsentiert - nach Vizepräsident Margaritis Schinas „ein guter Tag in der Politik“. Der Plan stelle den Menschen in den Mittelpunkt und mache das, was die Europäische Union (EU) am besten kann: Ehrgeizige Ziele formulieren, klare Fristen setzen und die notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen. Letzteres heißt konkret: Vier Milliarden Euro, davon aus den Programmen Horizont Europa zwei Milliarden Euro, EU4Health 1,25 Milliarden Euro und Digitales Europa 250 Millionen Euro. 

Krebserkrankungen steigen EU-weit an

Die Handlungsfelder reichen über Forschung, Prävention, Früherkennung und Behandlung bis hin zur Verbesserung der Lebensqualität von Patientinnen und Patienten sowie derer, die die Krankheit überstanden haben. In ihrer Ansprache betonte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das Ziel, allen Menschen in Europa einen Zugang zu qualitativ hochwertigen Versorgungsangeboten zu verschaffen. Im Jahr 2020 hätten 1,3 Millionen Menschen den Kampf gegen den Krebs verloren. Mit steigender Tendenz. Die gute Nachricht: Die Zahl der Überlebenden wachse – dank Forschung und Fortschritt - auch. Derzeit überleben zwölf Millionen Menschen in der EU jährlich eine Krebserkrankung. 

Besonderer Fokus auf Krebs bei Kindern

Von der Leyen betonte den Stellenwert, den Krebserkrankungen im Kindesalter im Aktionsplan einnehmen. Ein spezielles Netzwerk für junge Überlebende soll eine „Kinderinitative“, die für Kinder einen optimalen Zugang zu den Präventions-, Behandlungs- und Versorgungsangeboten schaffen will, ergänzen. Der personalisierte, elektronische „Pass für Krebsüberlebende“, den es auch für Erwachsene geben wird, soll insbesondere auch dabei helfen, junge Menschen nach erfolgter Behandlung zu begleiten und die Nachsorge zu gestalten.

Schadstoff- und Strahlenbelastung

Mit dem Krebsplan verfolgt die EU einen ganzheitlichen Ansatz, seine Maßnahmen zielen auf alle Politikfelder. Auch die Arbeitswelt bleibt nicht außen vor: Der Krebsplan thematisiert unter anderem die Überarbeitung der Richtlinie über Karzinogene und Mutagene, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Expositionsrisiken bei der Arbeit schützt. Im Rahmen von Horizont Europa soll schon 2021 eine Partnerschaft für die Bewertung der Risiken chemischer Stoffe gestartet werden. Adressiert werden auch die Risiken durch Strahlung (UV, Radon).

Das Maßnahmenbündel ist umfangreich

Im Aktionsplan gegen den Krebs werden insgesamt zehn Leitinitiativen-Initiativen ausgelobt und weitere, unterstützende Maßnahmen beschrieben, unter anderem:   

  • Noch im laufenden Jahr soll ein neues Wissenszentrum für Krebs bei der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU angesiedelt werden. Ab dem nächsten Jahr sollen zudem krebsbezogene Bilddokumente in einem „EU-Atlas“ gesammelt und anonym für die Forschung verfügbar gemacht werden.
     
  • Bis 2025 will die Kommission ein EU-Netzwerk von Krebszentren in jedem Mitgliedsstaat errichtet und fünf Jahre später 90 Prozent der Patientinnen und Patienten Zugang erhalten haben. Ein Register soll Ungleichheiten in der Versorgung in der EU identifizieren.
     
  • Bis 2025 soll der schädliche Alkoholkonsum um zehn Prozent gesenkt werden; bis 2040 sollen weniger als fünf Prozent der Bevölkerung noch rauchen (heute 25 Prozent). Die EU-Rechtsnormen die Tabakerzeugnisse betreffend sowie die Vorschriften zur Alkoholbesteuerung sollen überarbeitet werden. Die EU will bis Ende 2023 auch die verpflichtende Applikation von gesundheitsbezogenen Warnhinweisen auf Etiketten vorschlagen.
     
  • Das Krebsvorsorgeprogramm aus dem Jahr 2003 soll überarbeitet und neue Screening-Programme für Prostata-, Lungen- und Magenkrebs entwickelt werden. Im Weiteren sollen 2030 mindestens 90 Prozent aller Mädchen gegen Papilloma-Viren geimpft werden, daneben möglichst viele Jungen.
     

Die Deutsche Sozialversicherung hatte bereits im vergangenen Frühjahr den Fahrplan für Europas Kampf gegen den Krebs in einer Stellungnahme ausführlich gewürdigt und einen begleitenden *ed verfasst.