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Kommission legt Schwerpunkte auf Humankapital und Wettbewerbsfähigkeit.
VS – 12/2025
Die
Europäische Kommission hat am 1. und 2. Dezember dem Rat „Beschäftigung,
Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz“ (EPSCO) das Herbstpaket des Europäischen Semesters vorgestellt. Mit dem Paket legt die Kommission die
politischen und wirtschaftlichen Prioritäten für den kommenden Zyklus fest und
setzt dabei einen besonderen Fokus auf Reformen und Investitionen zur Stärkung
von Humankapital und Wettbewerbsfähigkeit.
Inhalt des Pakets
Bestandteile
des Herbstpaketes sind der Vorschlag für den gemeinsamen
Beschäftigungsbericht, der Warnmechanismus-Bericht und der neu eingeführte Europäische
Makroökonomische Bericht sowie ein Vorschlag für eine Empfehlung
zum Humankapital in der EU. Im März 2026 soll der Rat sowohl den
gemeinsamen Beschäftigungsbericht billigen als auch die Empfehlung zum
Humankapital formell verabschieden.
Europäisches Semester
Das
Europäische Semester ist der zentrale Rahmen zur Koordinierung und Überwachung
der Wirtschafts-, Haushalts- und Sozialpolitik in der EU. Der jährliche Zyklus
beginnt im November mit dem Herbstpaket der Europäischen Kommission, das die
politischen Leitlinien für das folgende Jahr festlegt, und endet im Oktober mit
der Vorlage der nationalen Haushaltsentwürfe. Es bildet die analytische und
politische Grundlage für Reformen und Investitionen und dient als
Referenzrahmen für die Ausrichtung und Bewertung der nationalen Reform- und
Haushaltspläne der Mitgliedstaaten.
Gemeinsamer Beschäftigungsbericht
Dem
Vorschlag der Kommission zufolge zeigen sich die Arbeitsmärkte im Allgemeinen weiterhin
robust. Gleichzeitig bestehen jedoch einige strukturelle Schwächen, die die globale
Wettbewerbsfähigkeit der EU und den sozialen Zusammenhalt gefährden. Dazu
zählen insbesondere das nur langsame Wachstum der Arbeitsproduktivität sowie
ein ausgeprägter Arbeits- und Fachkräftemangel.
Der Gemeinsame Beschäftigungsbericht enthält zudem die Ergebnisse der Länderanalyse des Rahmens für soziale Aufwärtskonvergenz. Diese basiert auf den Indikatoren des sozialpolitischen Scoreboard. Mithilfe dieser Indikatoren wurden in einem ersten Schritt die Risiken der Konvergenz nach oben für alle 27 Mitgliedstaaten identifiziert. Anschließend wurden die Länder benannt, die aufgrund der geringen erzielten Fortschritte im Frühjahr 2026 einer vertieften Analyse unterzogen werden sollen. Diese sind Bulgarien, Finnland, Griechenland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Rumänien und Spanien.
Europäischer Makroökonomischer Bericht
Der in
diesem Semesterzyklus neu eingeführte Europäische Makroökonomische Bericht soll
die Empfehlungen zur Wirtschaftspolitik des Euroraums sowie den Warnmechanismus-Bericht
untermauern. Der Bericht beinhaltet eine Analyse der größten
volkswirtschaftlichen Chancen und Risiken. Die Hauptthemen sind
Herausforderungen im Bereich der Produktivität sowie Maßnahmen zur Stärkung der
langfristigen Wettbewerbsfähigkeit, beispielsweise durch Innovationsförderung,
Vertiefung des Binnenmarkts und Mobilisierung privater Investitionen.
Vor
dem Hintergrund der hohen Sparquote in Europa und fragmentierter Kapitalmärkte
werden die möglichen Vorteile einer Spar-
und Investitionsunion für eine wirksamere Lenkung von Kapital innerhalb der
Union untersucht. Auch die wachstums- und wettbewerbspolitischen
Herausforderungen, die sich aus dem Druck auf die Ausgaben für Renten,
Gesundheit und Langzeitpflege durch die alternde Bevölkerung ergeben, werden im
Bericht betont.
Empfehlung zum Humankapital
Zum
ersten Mal schlägt die Kommission dem Rat eine Empfehlung zum Humankapital vor.
Darin werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, sowohl öffentliche als auch
private Ressourcen zu mobilisieren und in Menschen zu investieren. In der
Empfehlung wird betont, dass diese sozialen Investitionen der Gesellschaft, den
Unternehmen und den Menschen gleichermaßen zugutekommen und wesentlich für die
Wettbewerbsfähigkeit Europas sind.
EU-Kommissarin
und Vize-Präsidentin Roxana Mînzatu betont in diesem Zusammenhang, dass das
Europäische Semester stärker auf soziale Investitionen ausgerichtet sein müsse.
Neben Bildung und Qualifizierung zählt hierzu auch der verbesserte Zugang zu
bezahlbarem Wohnraum als zentraler sozialpolitischer Schwerpunkt. Mit der
Empfehlung zum Humankapital werden Investitionen in Menschen dem bisherigen
Fokus auf reine Kapitalinvestitionen gleichgestellt.
In der
Empfehlung wird außerdem darauf hingewiesen, wie wichtig hochwertige und
aktuelle Daten und Analysen sind. Dies schließt den aktuell ins Leben gerufen Social
Investment Knowledge Hub ( siehe hierzu die News zu sozialen Investitionen)
mit ein. In diesem sollen Expertisen zusammengeführt werden, die einen
positiven Zusammenhang zwischen sozialen Investitionen und Wirtschaftswachstum
sowie fiskalischer Nachhaltigkeit herstellen.
Wie geht es weiter?
Die
Kommission hat am 15. Dezember das Herbstpaket auf einer gemeinsamen Sitzung
der Ausschüsse für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten (EMPL) und für
Wirtschaft und Währung (ECON) vorgestellt. Im Anschluss wird das Europäische
Parlament in einer Entschließung seine Prioritäten, Empfehlungen und
gegebenenfalls Kritik formulieren. Im März 2026 wird der gemeinsame
Beschäftigungsbericht vom Rat offiziell gebilligt, während die Empfehlung zum
Humankapital formell verabschiedet wird.