Eurofound: Arbeitsplatzqualität in Europa überwiegend gestiegen.

VS – 04/2026

In den vergangenen Jahren hat sich die Qualität von Arbeitsplätzen in Europa insgesamt verbessert – allerdings profitieren nicht alle Beschäftigte gleichermaßen davon. Zu diesem Ergebnis kommt die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) in ihrem aktuellen Überblicksbericht zur Europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen (EWCS 2024), der am 14. April veröffentlicht wurde.

Europas Arbeitswelt im Wandel

Die Analyse umfasst 35 europäische Länder, darunter alle EU-Mitgliedstaaten, und beleuchtet die Auswirkungen des ökologischen, digitalen und demografischen Wandels auf die Arbeitswelt. Neben einer umfassenden Beschreibung der Erwerbsbevölkerung untersucht der Bericht insbesondere digitale Arbeitspraktiken, soziale Beziehungen und Fragen der Inklusion. Ein zentrales Ergebnis: Gute Arbeitsbedingungen zahlen sich aus – sie fördern Motivation, Innovationskraft, Produktivität und ein positives Betriebsklima.

Fortschritte mit Schattenseiten

Eurofound bewertet die Qualität von Arbeitsplätzen anhand von sieben Dimensionen: Verdienst, Perspektiven, Qualifikationen und Entscheidungsspielraum, Arbeitszeit, Arbeitsintensität sowie das soziale und physische Umfeld. In fünf dieser Bereiche hat sich die Situation in den vergangenen 15 Jahren verbessert. Verschlechterungen zeigen sich hingegen beim sozialen Umfeld am Arbeitsplatz und bei der Arbeitsintensität. Die Erhebung unterstreicht dabei, dass Verbesserungen beim sozialen Umfeld am Arbeitsplatz ebenso wie bei Weiterbildungsmaßnahmen stark mit dem Zugang zu sozialer Absicherung einhergehen.

Auffällig sind zudem geschlechtsspezifische Unterschiede: Männer sind seltener von hoher Arbeitsintensität betroffen, während sich die Situation für Frauen in dieser Dimension verschlechtert hat. Positiv entwickelt hat sich hingegen das physische Arbeitsumfeld, insbesondere durch den Rückgang klassischer körperlicher Belastungen. Gleichzeitig nehmen jedoch neue Risiken zu – etwa durch Hitze, Chemikalien oder infektiöse Stoffe.

Arbeitsumfeld und Wahrnehmung der Beschäftigten

Für die Mehrheit der Beschäftigten stehen nicht finanzielle Aspekte im Vordergrund. Entscheidend sind vielmehr ein sicheres Arbeitsumfeld und Vertrauen am Arbeitsplatz. Die meisten empfinden ihre Arbeit als sinnvoll und sind überzeugt, gute Leistungen zu erbringen: Mehr als 80 Prozent halten ihre Tätigkeit für nützlich, 85 Prozent fühlen sich fair behandelt. Dennoch bestehen Defizite: 14 Prozent der Beschäftigten in der EU geben an, unzureichend über Gesundheits- und Sicherheitsrisiken informiert zu sein. Zugleich zeigt sich ein deutliches Gefälle bei der betrieblichen Verankerung des Arbeitsschutzes: Während in Schweden rund 80 Prozent der Beschäftigten Zugang zu einem Arbeitsschutzbeauftragten haben, sind es in Bulgarien nur knapp 30 Prozent.

Ungleichheiten bleiben bestehen

Trotz der insgesamt positiven Entwicklung profitieren nicht alle Beschäftigtengruppen gleichermaßen. Die Studie zeigt, dass insbesondere geschlechtsspezifische Unterschiede in den Erwerbsverläufen weiterhin eine zentrale Herausforderung darstellen. Aber auch auf Länder- und Branchenebene bestehen erhebliche Unterschiede bei Arbeits- und Gesundheitsschutz. Fortschritte bei der Arbeitsqualität erfordern daher gezielte Maßnahmen und den Ausbau der sozialen Sicherungsnetze.

Schlüsselthema für Europas Zukunft

Die Verbesserung von Arbeitsbedingungen ist seit dem Vertrag von Rom ein Kernziel europäischer Politik. Auch die Europäische Säule sozialer Rechte und aktuelle Initiativen wie der Fahrplan für hochwertige Arbeitsplätze oder der Kompass für Wettbewerbsfähigkeit unterstreichen die Bedeutung guter Arbeitsbedingungen für nachhaltiges Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.

Vor dem Hintergrund einer alternden und schrumpfenden Erwerbsbevölkerung gewinnt das Thema zusätzlich an Bedeutung. Hochwertige Arbeitsplätze gelten als entscheidend, um mehr Menschen für den Arbeitsmarkt zu gewinnen, sie länger im Erwerbsleben zu halten und zugleich die Produktivität zu steigern. Hierzu bedarf es stetiger Investitionen in die Menschen, so auch in Rehabilitation, Gesundheits- und Arbeitsschutz. Der Eurofound-Bericht zeigt: Europa hat Fortschritte erzielt, steht jedoch weiterhin vor zentralen Herausforderungen.