© Ireland’s EU PresidencyIrlands Agenda für Europa
Irische Ratspräsidentschaft will Chancen schaffen und Menschen schützen.
AS – 06/2026
Unter dem Leitmotiv „Stärke
durch Zusammenhalt“ („Ní neart go cur le chéile“) übernimmt Irland in der
zweiten Jahreshälfte 2026 den Vorsitz im Rat der Europäischen Union (EU) und
folgt damit auf Zypern. Es ist die erste irische Präsidentschaft, seit Irisch
im Januar 2022 zu einer der offiziellen Arbeitssprachen der Europäischen Union
geworden ist. Irland will mit seinem Vorsitz das Engagement der Union für
sprachliche Vielfalt hervorheben und die irische Sprache in die Arbeit des
Rates, die offizielle Kommunikation und kulturelle Veranstaltungen integrieren.
Europas Handlungsfähigkeit stärken: Prioritäten der irischen Ratspräsidentschaft
In einer Phase
wirtschaftlicher Transformation und geopolitischer Unsicherheit versteht sich
die irische Ratspräsidentschaft laut ihrem Programm als konsensorientierte und moderierende Kraft. Der Rat soll als Ort der
gemeinsamer Entscheidungsfindung und strategischer Resilienz Europas gestärkt
werden. Im Mittelpunkt steht daher weniger die Einführung neuer Initiativen als
vielmehr die Voranbringung tragfähiger Kompromisse und konkreter Fortschritte
bei bestehenden Gesetzgebungsvorhaben. So soll Europas Handlungsfähigkeit in
einer Zeit globaler Unsicherheit durch Umsetzung, Verlässlichkeit und Einigkeit
gestärkt werden.
Dies umfasst auch die
Unterstützung gemeinsamer Sicherheitsanstrengungen, wie beispielsweise die
Weiterentwicklung der außenpolitischen Handlungsfähigkeit, die Zusammenarbeit
bei der Bewältigung hybrider Bedrohungen und die Stärkung kritischer
Infrastruktur. Bestehende internationale Partnerschaften sollen ebenfalls
vertieft werden. Mit ihrem Vorsitz will Irland zudem die Sicherung europäischer
Wertschöpfungsketten und die Weiterentwicklung der Kapitalmarktunion vorantreiben,
um die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit der EU zu sichern. Der Abbau
regulatorischer Hürden und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für
Unternehmen sollen dabei mit dem digitalen und grünen Wandel verbunden werden.
Im Bereich des Rates für Beschäftigung,
Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz (EPSCO) verfolgt die
Ratspräsidentschaft das Ziel, Lebensqualität und Lebensstandards in Europa zu
stärken, gleiche Rechte und soziale Inklusion zu fördern sowie nachhaltiges
Wachstum mit Wettbewerbsfähigkeit zu verbinden.
Die europäische Sozial- und
Gesundheitspolitik versteht Irland dabei ausdrücklich als Teil eines
gemeinsamen europäischen Gesellschafts- und Wirtschaftsmodells, das auf
gesellschaftlicher Resilienz, Zusammenhalt und Gleichheit beruht.
Beschäftigung und moderner Arbeitsmarkt
Im Mittelpunkt der
Beschäftigungspolitik steht die Frage, wie hochwertige Arbeitsplätze in einem
sich wandelnden europäischen Arbeitsmarkt geschaffen und gesichert werden
können. Die irische Ratspräsidentschaft will die Diskussion darüber
vorantreiben, wie Beschäftigte und Arbeitgeber innerhalb und über den
Binnenmarkt hinaus erfolgreich aufgestellt werden können. Darüber hinaus will
sie sich für sichere, gesündere und produktivere Arbeitsstätten starkmachen.
Im Rahmen des Pakets für
faire Arbeitskraftmobilität (Fair Labour Mobility Package), dessen
Veröffentlichung während der irischen Ratspräsidentschaft erwartet wird, möchte
Irland insbesondere zwei Vorhaben voranbringen:
- Die Entwicklung des digitalen
Europäischen Sozialversicherungsausweises (ESSPASS), der es Bürgerinnen und
Bürgern erleichtern soll, ihre Sozialversicherungsansprüche bei einem
Aufenthalt oder einer Beschäftigung in einem anderen EU-Mitgliedstaat
nachzuweisen und wahrzunehmen;
- Die Stärkung des Mandats der
Europäischen Arbeitsbehörde (ELA), um die Umsetzung und Durchsetzung fairer
Arbeitsbedingungen in der EU zu verbessern.
Mit diesen Vorhaben soll das
soziale Sicherheitsnetz in der EU gestärkt, der Schutz von Arbeitnehmerrechten verbessert
und hohe Beschäftigungsstandards in allen Mitgliedstaaten gefördert werden.
Sozialpolitik, Gleichstellung und Teilhabe
Ein weiterer Schwerpunkt
liegt auf der Weiterentwicklung des europäischen Gleichstellungs- und
Sozialmodells. Die irische Ratspräsidentschaft betont, dass gleiche Rechte,
Nichtdiskriminierung und gesellschaftliche Teilhabe zentrale Voraussetzungen
für wirtschaftliche Entwicklung und demokratische Stabilität sind.
Im Rahmen der neuen
Europäischen Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter 2026–2030 sollen
insbesondere Fragen der Care-Ökonomie, die Auswirkungen technologischer
Veränderungen auf die Arbeitsmärkte sowie die Beteiligung an politischen und
wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen adressiert werden.
Die Ratspräsidentschaft
unterstreicht dabei, dass soziale Investitionen nicht nur Armut und Ausgrenzung
entgegenwirken, sondern zugleich Innovation, Qualifizierung und wirtschaftliche
Entwicklung fördern können.
Gesundheit als Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit
In der Gesundheitspolitik
stellt Irland die Verbindung zwischen leistungsfähigen Gesundheitssystemen,
Innovation und wirtschaftlicher Stärke in den Vordergrund. Der Zugang zu
hochwertiger Gesundheitsversorgung wird als Ausdruck europäischer Grundwerte verstanden
und zugleich als Voraussetzung für gesellschaftliche und wirtschaftliche
Resilienz.
Die Schwerpunkte der irischen
Ratspräsidentschaft liegen deshalb auf der Weiterentwicklung zentraler Gesundheitsdossiers,
insbesondere den Verhandlungen zum EU Biotech Act sowie der Anpassung der
Medizinprodukteverordnung (MDR) und der Verordnung über In-Vitro-Diagnostika
(IVDR). Ein besonderer Fokus soll auf der Gesundheit von Frauen liegen. Dabei
verweist Irland ausdrücklich auf bislang unterversorgte Gesundheitsbereiche –
unter anderem auf Erkrankungen wie Endometriose – und betont deren Auswirkungen
auf Teilhabe am Arbeitsmarkt, Gesundheitsversorgung und gesellschaftliche
Gleichstellung.
Mit diesem Ansatz verfolgt
die Ratspräsidentschaft das Ziel, Gesundheitspolitik stärker als Bestandteil
einer zukunftsfähigen europäischen Wirtschafts- und Sozialpolitik zu verankern.
Ein soziales Europa als Wettbewerbsvorteil
Übergreifend verbindet Irland
seine EPSCO-Prioritäten mit der Vorstellung, dass europäische Werte – darunter
Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Solidarität und Nichtdiskriminierung – nicht
nur gesellschaftliche Leitprinzipien, sondern auch einen wirtschaftlichen
Standortvorteil darstellen. Soziale Investitionen, hochwertige Beschäftigung
und resiliente Gesundheitssysteme versteht die Ratspräsidentschaft daher als
wesentliche Voraussetzungen, um Europa langfristig als attraktiven Lebens- und
Arbeitsraum zu stärken.