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Viel erreicht und dennoch ein langer Weg

Internationaler Frauentag 2021 in der EU.

KL – 03/2021

Am 5. März und damit kurz vor dem internationalen Frauentag 2021 hat die Europäische Kommission den EU-Jahresbericht zur Gleichstellung der Geschlechter veröffentlicht. Die Bilanz ist ernüchternd: die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben dafür gesorgt, dass die bestehenden Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern in fast allen Lebensbereichen noch verschärft wurden. Der Bericht konstatiert auch den Verlust von Errungenschaften der Vergangenheit.

Dabei sind die Umsetzung von Frauenrechten und die Gleichstellung der Geschlechter in der Europäischen Union bereits von Beginn wesentliche Faktoren gewesen.

Gleichstellung der Geschlechter – eine kleine Historie

Folgende Meilensteine haben die bisherige Entwicklung gefördert:

1957: Die Gleichstellung der Geschlechter wird in den römischen Verträgen als Grundwert der Europäischen Gemeinschaft festgeschrieben.

1975: Der Rat der Europäischen Gemeinschaften übernimmt den Grundsatz des gleichen Entgelts für Frauen.

1984: Das Europäische Parlament wählt bei den ersten direkten Europawahlen mit Simone Veil eine Frau in das Präsidentenamt. Im gleichen Jahr setzt das Europäische Parlament einen Ausschuss für die Rechte der Frauen ein.

2000: Die Charta der Grundrechte der EU wird veröffentlicht. Bestandteil darin ist die Gleichstellung von Frauen und Männern.

2014: Das Europäische Parlament verabschiedet die Richtlinie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Menschenhandel.

2019: Das Europäische Parlament spricht sich für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit Vorschriften zu Elternzeit, flexiblen Arbeitszeiten und Pflegeurlaub aus. Bei der Europawahl gewinnen Frauen 40% der Sitze.

Gegenwart und Zukunft

Die Gleichstellung der Geschlechter nimmt in der Agenda der Europäischen Kommission einen hohen Stellenwert ein. Über die Gleichstellungsstrategie der Kommission für die Jahre 2020 bis 2025 haben wir im April 2020 berichtet. Jetzt wurde ein Legislativvorschlag zur Stärkung des Grundsatzes des gleichen Entgeltes durch Lohntransparenz von der Kommission angenommen. Die Kommission hat es sich außerdem zum Ziel gesetzt, dass die Gleichstellung der Geschlechter im Mittelpunkt der Erholung nach der Pandemie stehen soll. Auch das Europäische Parlament fordert infolge der Auswirkungen der Corona-Pandemie Maßnahmen zum Schutz der Frauenrechte und zum Schutz für Frauen gegen häusliche Gewalt.

Sollten die Maßnahmen und Initiativen auf EU-Ebene dazu führen, dass Frauen einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt haben und das Gender Pay Gap zwischen Männern und Frauen beseitigt wird, hätte dies positive Auswirkungen auch auf die sozialen Sicherungssysteme. Von mehr Berufstätigkeit und höheren Löhnen für Frauen würden die Sozialleistungsträger in den Mitgliedstaaten ebenso profitieren, beispielsweise durch höhere Beitragseinnahmen und eine tragfähigere Versichertenbasis. Allerdings ist der Weg zur Gleichstellung der Geschlechter in allen Lebensbereichen durch die Krise länger geworden.