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Wird die Ausnahme zum Normalfall?

Nach wie vor scheint das „klassische Arbeitsverhältnis“ für die meisten der Regelfall zu sein: Der Arbeitnehmer ist vom Arbeitgeber abhängig beschäftigt. Die Allgegenwärtigkeit neuer Geschäfts­modelle wie Deliveroo, Uber, Airbnb und ähnlicher Plattformen legt die Annahme nahe, dass bereits heute ein signifikanter Teil der neuen Internet-basierten Erwerbsformen in Form von atypischer Beschäftigung und Solo-Selbstständigkeit erbracht wird. Müssen wir uns deswegen darauf einstellen, dass atypische Beschäftigungs­formen zum Normalfall werden?  

 

Tatsächlich scheint der Anteil atypi­scher Beschäftigung und von Solo-Selbst­ständigkeit an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen derzeit noch unverändert zu sein. Nach einem Bericht der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) ist der Anteil der befristet Beschäftigten an der Gesamtzahl aller Beschäftigten in Europa relativ konstant geblieben, mit einem Anteil 14,5 % im Jahr 2006 und 14,2 % im Jahr 2016.1 Auch in Deutschland liegt der Anteil der Erwerbstätigen, die einer atypischen Beschäftigung nachgehen, unverändert bei etwa einem Fünftel (20,7 %) der Erwerbstätigen.2 

 

Den Anteil der Selbstständigen an den Erwerbstätigen in Europa sieht Eurofound seit 2002 als vergleichsweise stabil.* Der Anteil der Selbstständigen ohne Mitarbeiter, insbesondere der Selbstständigen in Teilzeit, hat sich im gleichen Zeitraum hingegen erhöht. Insgesamt wird festgestellt, dass 25 % aller Selbstständigen, d. h. 8 ­Millionen Menschen, in der EU-28 als Solo-Selbstständige unter prekären Umständen tätig sind.


Die globale Ausrichtung einer ­solchen Plattform durch den Betreiber und vergleichsweise geringe Kosten – inkl. der Personalkosten – machen diese Geschäftsmodelle attraktiv. Ein weiterer Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg von Plattformen und damit ein Anwachsen des Sektors ist der Umgang mit Nutzerdaten: Aus ihnen lassen sich Rückschlüsse auf das Verhalten der Nutzer ziehen, die mit gezielten Angeboten bedient werden können. Ein Vergleich zwischen Plattform­ökonomie und deutschen Industrie­unternehmen, bezogen auf Umsatz, Gewinn, Beschäftigte sowie Marktkapitalisierung, zeigt, dass die digitalen Unternehmen innerhalb von fünf Jahren (2012–2016) rasanter gewachsen sind als die einstmals analog gegründeten Unternehmen.*